22 Monate Mama – Es gibt nichts zu bereuen

Vor einiger Zeit habe ich einen Blogartikel gelesen. Ich bin über Umwege dahin gelangt und habe mir leider nicht gemerkt, wie er hieß. Aber ich weiß, worum es ging. Denn das Thema hat mir keine Ruhe gelassen. Ich habe mich damals dagegen entschieden direkt zu kommentieren, doch jetzt möchte ich einfach an dieser Stelle darüber schreiben.

Es ging um das Thema „Regretting Motherhood“. Ein wahnsinnig emotionales Thema, das im vergangenen Jahr durch die Medien ging. Es geht um Frauen, die mitunter bereuen Mutter geworden zu sein bzw. die Entscheidung anders treffen würden, könnten sie die Zeit zurückdrehen. Ein kontrovers diskutiertes Thema, das bei dem einen Verständnis, dem anderen das pure Entsetzen hervorruft.

Ich persönlich finde es sehr, sehr traurig, wenn eine Mutter tatsächlich so empfindet. Doch steht es irgendjemanden zu, diese Gefühle und Gedanken zu verurteilen? Es gibt nichts, was nicht gedacht werden dürfte. Wenn man irgendeine Freiheit hat, dann ist es die Freiheit zu fühlen und denken, wie man mag. Ob man damit an die Öffentlichkeit gehen möchte, mag jedem selbst überlassen sein.

In diesem besagten Artikel nahm die Autorin (selbst Mutter) das Thema auf und berichtet darüber, dass sie entsetzt darüber sei, wie viele Mütter offensichtlich ihre Entscheidung bereuen. Woran sie das festmacht? Daran, dass Mütter so häufig jammern und kaputt sind von ihrem Alltag. Sie ist entsetzt darüber, dass Mütter von ihren Kindern mitunter genervt sind. Sie findet es schlimm, dass Mütter häufig erzählen, wie unglaublich müde und ausgelaugt sie sind. Naja, ihr wisst schon…

Mich hat eigentlich eher der Artikel sprachlos gemacht. Denn wie kann man solche Aussagen von Müttern damit gleichsetzen, dass sie ihre Mutterschaft bereuen? Würde man das tun, hieße es sicherlich, dass dreiviertel aller Mütter bereuen, jemals schwanger geworden zu sein!

Auch ich jammere gerne mal darüber, dass der Alltag mitunter sehr anstrengend ist. Ständiger Schlafentzug lässt einen gerne auch mal überempfindlich werden. Und auch ich bin manchmal genervt von meinem Kind. Aber ganz ehrlich: ich finde, ich DARF von meinem Kind auch mal genervt sein. Man ist doch auch mal vom Partner, von Eltern, von Freunden, von Kollegen genervt. Warum darf ich mir nicht zugestehen, auch von meinem Kind genervt zu sein?!

Wenn mein Kind schreiend auf der Straße liegt, wenn es im Bett herumturnt und längst schlafen sollte, wenn es mit Essen um sich wirft. Muss ich dafür immer Verständnis haben? Natürlich begreift man, warum das alles so ist und vielleicht auch sein muss…das ändert aber doch nichts daran, dass man auch mal einen schlechten Tag hat und das Verständnis einfach hinter einer Tresortür verweilt und nicht hervorkommen mag!

Als ich noch kein Kind hatte, fiel mir auch häufig negativ auf, dass viel erzählt wird, wie dramatisch alles mit Kind sei. Manchmal so massiv, dass ich mich gefragt habe, wie es eigentlich dazu gekommen ist, dass so manche Fraue noch mehr Kinder bekommen hat. Wenn alles so dramatisch ist, dann sollte man den Stress doch nicht noch verstärken. Mit Kind sieht man dann das eine oder andere dann doch aus einer anderen Perspektive. Trotz allem kam mir irgendwie nie der Gedanke, dass da jemand bereuen könnte.

Für mich gilt: egal wie fertig, genervt, gestresst ich manchmal von meinem Kind bin…niemals würde sich etwas an meiner unendlichen Liebe zu meiner Tochter ändern. Ich motze sie an, ich schimpfe mit ihr und manchmal heule ich auch. Vor ihren Augen. Aber mein Kind muss doch lernen, dass auch ich ein Mensch bin, der Gefühle hat. Nicht, dass sie das in ihrem Alter schon berücksichtigen müsste, aber sie soll mich doch als emotionale Person kennenlernen. Und wenn meine Nerven durch sind, dann müssen halt auch mal die Tränen raus. Meine Tochter soll doch auch ihre Emotionen zeigen, wenn sie sie überkommen! Für mich gehört das zum menschlichen Zusammenleben dazu. Genauso oft kitzle ich sie bis zum Anschlag durch, spielen wir fangen und lachen uns dabei kaputt, knuddeln und knutschen uns ab. All das gehört dazu. Zumindest für mich.

22 Monate

Obwohl das Leben mit Kind so anstrengend sein kann, wie ich es vorher kaum geglaubt hätte, würde ich niemals wieder tauschen wollen. Mein kinderloses Leben fand ich super. Es war voller Liebe, voller Aktivitäten und voller Freude. Und doch denke ich nun…wenn dieses wundervolle Wesen nicht da wäre…mein Leben wäre so leer. Dabei war es immer so voll. Aber das schöne an Kindern ist ja, dass sie einfach diesen Ballon voller Lebensfreude noch größer werden lassen. Man denkt er sei schon bis zum Anschlag gefüllt und dann wird er noch größer, ohne jemals zu platzen. Er nimmt ungeahnte Ausmaße an und man kann bzw. möchte sich nicht vorstellen, dass er jemals wieder zusammenschrumpft. Kinder können keine Lücke füllen, sie können nur noch einen oben draufsetzen.

Daher mein Appell an alle, die das möglicherweise denken mögen. Der tägliche Wahnsinn, über den man (vielleicht tatsächlich manchmal zu viel – da kann man ruhig auch mal selbstkritisch sein) jammert, hat nichts, aber auch rein gar nichts damit zu tun, dass man es bereuen würde, ein Kind zu bekommen zu haben. Das mag in Einzelfällen so sein. Aber es ist nicht Regel. Die Regel ist, dass der Alltag manchmal einfach für Nerven und Seele zu viel ist, aber das Leben mit Kind trotzdem das größte Geschenk und das unglaublichste Glück bedeuten!

2 thoughts on “22 Monate Mama – Es gibt nichts zu bereuen

  1. Genau so ist es.
    Eine kinderlose Freundin, die auch nicht so kinderaffin ist, hat Anton zwei Mal hintereinander an sehr schlechten Tagen erlebt. Ich selbst war genervt, versuchte aber den Nachmittag mit ihr trotzdem zu genießen. Beim zweiten Mal sagte sie dann: Jetzt weiß ich, warum ich noch keine Kinder haben möchte.
    Mich hat es total traurig gemacht. Habe ich ihr denn wirklich nur das Schlechte am Elternsein gezeigt? Hatten wir denn so einen doofen Eindruck hinterlassen?
    Denn so wie du schreibst, kann ich es nur bestätigen: Natürlich jammer ich und ärgere mich an manchen Tagen, dass der Sohnemann nur am Motzen ist, aber das ist eben das alltägliche Generve/Gezeter usw. Die guten Momente überwiegen und diese Liebe, die so unglaublich weit ist, die ist wirklich bedingungslos. Dieser Chaot macht meine Welt besser.

  2. danke…
    und doch… mich ermuntert dein Schreiben mein Jammern zu überdenken.
    Ich hab mir mit Kindern von 1, 3 und 5 Jahren damals meine Ehe und mein Ich demontiert durch das Bedauern meiner Schöpfung.
    Ich will Kraftoasen finden, um das Glück geniessbarer zu machen…

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