3 Jahre Mama – ein Brief an meine Tochter

Liebe F.,

am vergangenen Samstag, dem 1. April, haben wir Deinen Geburtstag gefeiert. Deinen 3. Geburtstag. Zum ersten Mal haben wir mit Deinen Freunden gefeiert und es war ein wunderbares Fest, das erst zur Dämmerung mit Bestell-Pizza auf unserer Terrasse endete.

Diesen Brief wollte ich Dir eigentlich zu Deinem Geburtstag schreiben, doch dank Krankheiten und sonstigem Chaos habe ich es nicht geschafft. Zumindest emotional nicht geschafft, die richtigen Zeilen zu schreiben.

Denn irgendwas zu schreiben, das ist es nicht wert. Dieser 1. April ist für mich so ein besonderer Tag. Viel aufregender und emotionaler, als mein eigener Geburtstag. Was dieser Tag für eine Mutter bedeutet weiß man tatsächlich nicht wirklich, bis man es erlebt hat.

Deine Ankunft hat unser Leben so sehr verändert. Nicht uns, aber unser Leben. Es erscheint mir manchmal unglaublich, dass Du bereits 3 Jahre alt sein sollst und gleichzeitig kann ich mir gar nicht mehr recht vorstellen, dass Du mal nicht bei uns warst.

Ich habe mir den Brief zu Deinem 2. Geburtstag durchgelesen. Das halbe Jahr vor Deinem zweiten Geburtstag hat mich wahnsinnig geprägt. Es war anstrengend, verwirrend und nahezu täglich zum Verzweifeln. Um Deinen 2. Geburtstag herum dachte ich tatsächlich, dass ich Dir nicht gewachsen bin. Dass ich etwas falsch mache. Dass ich als Mutter nicht richtig funktioniere. Die Tage des Streits und der Tränen kann ich kaum zählen. Ja, es war sehr anstrengend. Für uns beide.

Und nicht lange nach Deinem 2. Geburtstag änderte sich das von einem Tag auf den anderen. Der Kampf war einfach vorbei. Ich weiß nicht warum, aber plötzlich warst Du entspannter. Wir kamen klar und alles fügte sich.

Seit Jahresanfang bist Du ein Sonnenschein. Die immer weiter zunehmende Kommunikation macht unfassbar viel Spaß. Wir können uns unterhalten und verstehen einander. Natürlich ist nicht jeder Tag voll Sonnenschein und Kämpfe bleiben nicht aus. Aber alles im Rahmen. Der Sonnenschein herrscht vor. Wir spielen und singen und tanzen und genießen einfach die Zeit miteinander. Wir sind uns so nahe und so sehr beineinander angekommen, wie noch nie zuvor.

Ich habe das Gefühl, dass wir vieles hinter uns gelassen haben. Vielleicht tatsächlich „das Gröbste“, wie man so sagt. Stattdessen begegnen wir uns als Personen. Durch die immer besser werdende Sprache verstehen wir einander in jedem Sinne besser. Du bist inzwischen so lustig und manchmal habe ich den Eindruck, dass Du das auch weißt. Du hast in vielem Dein sehr eigenes Tempo und lässt Dir mehr Zeit als andere. Aber ich habe aufgehört, das zu vergleichen. Denn manchmal habe ich das Gefühl, dass Du Dir auch darüber tatsächlich Gedanken machst. So, wie Du mir sagtest: „Im Sommer gehe ich auf die Toilette!“ Und jetzt nicht. Das ist völlig ok so.

Du malst nicht besonders gerne, Du rutschst nicht gerne und Du spielst nicht gerne Spiele. Manchmal fand ich das komisch, aber auch da lerne ich, Dich einfach zu beobachten. Denn ich weiß, dass Du lieber singst und tanzt, kletterst, einkaufen, verstecken und fangen spielst.

Du bist gerne zu Hause und in großen Gruppen hälst Du Dich erstmal zurück. Wenn Du mit allen vertraut bist, bist Du dann aber total offen und hast immer neue Ideen.

Wenn ich Dich beobachte, bin ich so unglaublich stolz auf Dich. Du bist, wie Du bist und ich möchte, dass Du genau das sein kannst. Ich möchte nicht irgendwelche Erwartungen auf Dich projezieren, denn das war nie mein Plan. Und doch lässt man sich so leicht dazu verführen, wenn man hört: „Was, Dein Kind macht nicht ….?!“ Aber das ist mir egal. Inzwischen. Denn Du sollst machen, was Du möchtest. Macht das nicht das Kind-sein aus? Das, wovon wir Erwachsenen so oft träumen? Einfach sein zu können, wer wir wirklich sind und tun zu können, worauf wir Lust haben?

Und genau das sollst Du so lange haben, wie Du möchtest. Wenn ich Dich anschaue, sehe ich so viel von Deinem Papa und auch von mir. Wir drei sind ein tolles Team und ein Leben ohne Dich ist für mich inzwischen unvorstellbar. Du bereicherst unser Leben in jeder Hinsicht und wir sind unglaublich stolz auf Dich.

So viele Momente würde ich gerne einfrieren und doch werden sie von anderen Momenten abgelöst. Und auch wenn so viele kleine Dinge vergessen gehen, so sammelt sich doch das Gefühl dieser Glücksmomente im Herzen an. Manchmal möchte mein Herz tatsächlich explodieren vor Liebe. Ich habe es immer „Liebestsunami“ genannt. Wenn mir plötzlich die Tränen kommen…einfach weil Du so wundervoll bist. Inzwischen sagst Du zu uns: „Ich hab Dich lieb!“ Diese ersten Male werde ich ganz sicher niemals vergessen.

Mein Kind. Sei wie Du bist. Wir werden immer da sein und Dich begleiten, welche Nähe oder welchen Abstand Du auch immer brauchst. Das zeigst Du uns schon heute. Ich hoffe, dass wir Dir das Fundament geben, mit dem Du selbstsicher immer mehr und mehr in diese Welt hinausgehen kannst. Denn genau so, wie Du bist, bist Du einfach ganz wunderbar. Danke, dass Du bei uns bist.

Deine Mama

3 Jahre

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