4 Monate Mama – Gedanken zum Thema Papas

Jede Mama weiß: Zeit für sich selbst wird zur Mangelware, ist erstmal der Nachwuchs in unser Leben getreten. Eine Tatsache, die auch mir immer wieder zu schaffen macht, da ich ziemlich gerne auch mal Zeit mit mir selbst verbringe.

Die Realtität sieht in einem Großteil der Haushalte noch immer so aus, dass die Mutter nach der Geburt zu Hause bleibt und sich für mindestens das erste Jahr um das kleine Wesen kümmert. Im Idealfall kann der Papa sich mal 2 Monate Elternzeit nehmen, die zum Reisen oder ähnliches genutzt werden.

Von diesem Standardmodell ausgehend ist es so, dass die Mutter den Großteil der Zeit mit dem Kind verbringt, erste Bezugsperson ist und naturgemäß am schnellsten die Routine im Umgang mit dem Kind und sämtlichen Situationen bekommt. Außerdem führt das ganze dazu, dass man sich permanent verantwortlich fühlt, selbst wenn andere Personen dabei sind. Auch wenn es der Papa ist.

Kein Wunder, dass das Gefühl der permenten Verfügbarkeit da zur Belastung wird. Dabei ist er (idealerweise) doch da, der Papa. Er hat sich das Kind genauso gewünscht, hatte bei der Geburt genauso viele Tränen in den Augen und verfolgt jeden Entwicklungsschritt des Nachwuchses genauso stolz. Trotz allem hört man häufig Sätze wie:

„Wenn das Kind schreit, gibt mein Mann mir das Kind zurück!“

„Wenn er das Kind wickelt, dauert es ewig!“

„Er ist überfordert, wenn ich ihn den ganzen Tag mit dem Kind alleine lasse!“

„Über Nacht wegfahren? Nein, das geht nicht!“

Doch ist das wirklich alles so? Sind so viele Männer so unfähig, sich um das eigene Kind zu kümmern? Ist das Kümmern ums Kind etwas, was Frauen in die Wiege gelegt wurde und Männern viel schwerer fällt?

Mama sein Mainz

Ich glaube nein. Meine gewagte Theorie: viele Frauen führen diesen Zustand selbst herbei! Jeder Mann kann alles exakt genauso gut erledigen, wie seine Frau. Natürlich ist es so, dass (im genannten Standardmodell) die Frauen mehr Übung haben. Tag ein, Tag aus kümmern sie sich und sind vertraut mit jeder Art von Situation. Aber ist es nicht für uns auch ein Lernprozess gewesen? Mir wurde nicht in die Wiege gelegt, wie ich mein Kind optimal zu wickeln habe. Da gilt: Übung macht den Meister. Und da ich die Windel schlichtweg x Mal so häufig wechsle, geht es mir auch schneller von der Hand. Dadurch, dass ich die Kleine immer wieder beruhigen muss, wenn ihr eine Laus über die Leber gelaufen ist, habe ich meine Kniffe, wie ich sie wieder einfangen kann. Naja, zumindest meistens.

ABER! Wenn ich meinem Mann nie die Chance gebe, ebenso diese Erfahrungen zu machen, woher soll er es denn lernen? Wie soll er Routine bekommen? Ich glaube, dass viele Frauen einfach zu sehr klammern. An ihren Kindern. Und an ihrem Gefühl unersetzbar zu sein. Denn was einerseits zur Last wird, ist auf der anderen Seite auch Selbstbestätigung.

Doch wenn der ständige Einsatz zur Belastung wird, muss doch auch mal hinterfragt werden, ob man sich nicht doch Freiräume schaffen kann. Denn nur weil der Papa Dinge anders handhabt, macht er es doch nicht gleichzeitig schlechter. Möglicherweise genießt das Kind auch das langsame Wickeln. Und möglicherweise genießt das Kind auch, wenn der Alltag mal ein bißchen anders läuft, als in den festgelegten Strukturen von Mama.

Ich bin ziemlich fest davon überzeugt, dass sich viele gebeutelte Mamas dieses Leid selbst zuführen. Denn sind wir auch mal ehrlich: wer seinen Mann zum 100. Mal korrigiert, weil er irgendetwas anders macht, als man selbst, der braucht sich auch nicht wundern, wenn er am Ende keine Lust mehr hat und es einfach sein lässt. Würde mir auch so gehen.

Ich kann mich nicht davon freisprechen, dass ich manchmal genauso bin. Ich hänge an meinem Kind und glaube genau zu wissen, was es braucht und wie es am schnellsten geht. Aber wer bin ich zu sagen, dass alles was ich mache, so für sie einzig richtig ist?! Und ist man mal ein wenig selbstkritisch, dann sieht man auch, wie sehr sie alles genießt, was Papa mit ihr macht, wenn er abends oder am Wochenende Zeit mit ihr verbringt. Aus diesem Grund bin ich auch kürzlich nach Mailand geflogen. Ohne Kind. 30 Stunden. Der Abschied fiel mir unglaublich schwer, aber die Zeit weg von zu Hause habe ich auch sehr genossen. Und auch wenn es die eine oder andere Herausforderung gab, so haben Papa und Kind für alles eine Lösung gefunden und die Zeit zu zweit genossen. Man merkt ihnen auch an, dass es sie noch enger zusammengeschweißt hat. Eben weil Mama mal nicht ihren Senf dazu gegeben hat oder irgendwo überschnell eingegriffen hat.

Daher ihr lieben Mamas da draußen, die glauben, dass ohne sie alles nicht läuft: Papa kann das auch. Vielleicht anders, aber er kann es! Er braucht aber auch die Chance zu üben. Manche Väter lehnen sich möglicherweise auch zurück und meinen das alles sei nicht ihr Ding und sie seien nur für den Spaß-Teil zuständig. Diese Väter sollten natürlich gefordert werden. Denn ein „ich kann das nicht“, gibt es nicht. Denn auch wir Frauen wurden nicht mit allen Fertigkeiten geboren. Und die Natur hat die Mutter genauso als Bezugsperson vorgesehen, wie den Vater.

Aber es gibt auch genügend Väter da draußen, die man einfach nicht lässt. Und irgendwann resignieren sie und werden zu den „ich kann das nicht“-Vätern. Ganz einfach, weil sie nie dürfen oder bei jedem zweiten Schritt kritisiert werden. Hinterfragt euch selbst und macht euch das Leben nicht schwerer, als es ist. Es gibt Möglichkeiten, sich kleine Freiheiten zu schaffen und diese zu genießen. Ganz allein für euch. Natürlich wird das Leben nicht mehr wie zuvor (aber das war uns doch auch vorher klar), aber das eine oder andere Stündchen für sich – sei es allein mit einer Zeitung im Café, bei der Kosmetik, beim Sport oder mit einer Freundin – lässt sich ganz sicher finden und kann die schwere Mama-Seele zum richtigen Zeitpunkt auch mal entlasten, um mit neuer Energie wieder im Alltag durchzustarten.

2 thoughts on “4 Monate Mama – Gedanken zum Thema Papas

  1. Liebe Nina,
    Ich freu mich immer, wenn ein neuer Artikel von dir erscheint. Ich mag deinen Schreibstil und fühl mich von den Inhalten verstanden und angesprochen. Aber heute verspürte ich zum ersten mal das dringende Bedürfnis zu kommentieren. Denn du sprichst mir aus der Seele! Als zweifache Mutter (1&3) hatte ich schon beim ersten Kind genau diese Gedanken. Und auch bei Nummer 2 ist es nicht anders. Das verrückte ist, obwohl ich genau diese Argumentation schon so oft bei anderen Müttern „runtergebetet“ habe, ertappe ich mich selbst immer wieder dabei „hilfreiche Tipps“ oder gut gemeinte Ratschläge zu geben. Anstatt es einfach mal auszuhalten dass es auch anders geht. Und funktioniert:-). Zum Glück habe ich einen Mann, der mich sehr gut kennt und sich von meinen Querschlägern nicht beirren lässt. Und einfach ein toller Papa ist!
    Danke fürs „nochmal dran erinnern“.
    Bin gespannt, wann wir uns wo mal über den Weg laufen. Mainz ist ja ein Dorf. Liebe Grüße in die Neustadt,
    Christiane

    • Hi Christiane,
      ganz lieben Dank! Ich freue mich so sehr, wenn sich Leute von meinen Gedanken angesprochen fühlen :-)
      Ich laufe so häufig durch Mainz und überlege, ob jemand von denen, die mir begegnen hier mitlesen. Ich kenne ja leider die Gesichter nicht. Freue mich aber, wenn mich jemand anspricht :-)
      Wünsche Dir weiterhin alles Liebe!
      Nina

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>