9 Monate Mama – Das Leben im Jetzt

Im vergangenen Monat ist mir ein kleines Licht aufgegangen. Manchmal ist man in seinen Mama-Gefühlen ja wirklich schizophren. Und nicht nur an mir selbst ist mir etwas aufgefallen, sondern an allen Eltern.

Der Dezember lief im Grunde ziemlich gut. Wachstums- und Meckerphasen haben wir einigermaßen hinter uns gelassen und wir hatten ein verhältnismäßig ausgeglichenes Kind – trotz des pünktlich zu Heilig Abend erscheinenden ersten Zahnes. Natürlich war es auch ein besonderer Monat, denn wir feierten unser erstes gemeinsames Weihnachtsfest und gerade Sylvester. Doch darum soll es gar nicht gehen.

Die vergangenen Wochen brachten ein Thema auf die Tagesordnung. Kann Dein Kind schon robben/krabbeln? Nach dem Drehen empfinde ich das nun wieder als eines der Vergleichsthemen. Dabei geht es mir weniger darum, was andere zu mir sagen. Mir geht es eher um mich selbst. Denn die Mini-Mainzerin krabbelt und robbt nicht, obwohl das jüngere Kinder teilweise bereits tun. Sie schiebt sich rückwärts durch das Wohnzimmer und kullert wohin sie möchte…aber eben nicht vorwärts.

Eigentlich finde ich das auch gar nicht schlimm, denn sie hat viele andere Stärken. Und schließlich war ich als Baby auch nicht gerade als Bewegungskönigin bekannt – und inzwischen klappt die Fortbewegung auch ganz gut! Doch wenn 4 Wochen jüngere Babys neben ihr all das tun, was eben so viele tun und die Mini-Mainzerin nicht, kommt doch dieses kleine komische Gefühl auf. Warum kann sie das noch nicht? Müsste/sollte ich sie irgendwie fördern? Hängt es an ihr oder an mir? Doch auf der anderen Seite flüstert mir meine innere Stimme zu: Ist doch egal! Du willst keine Übermutter sein, die ihr Kind trimmt, um alles so schnell wie möglich zu lernen. Wir sind aktiv, spielen etc., und wenn sie soweit ist, wird sie es tun. Mit 30 fragt keiner mehr, ob sie mit 7 Monate oder 10 Monaten gekrabbelt ist!

9 Monate

Diese Umstände haben mich zum Grübeln gebracht. Denn irgendwie – ob man will oder nicht – denkt man immer, das eigene Kind sollte vorne mit dabei sein. Beim Drehen, Krabbeln, Laufen, Sprechen und was auch immer. Oder manchmal freut man sich auch schon so auf den nächsten Schritt. Ich weiß ja selbst, wie sehr ich mich gefreut habe, als sie sich das erste Mal gedreht hat und manchmal auch schon darauf hinfiebere, dass sie mal laufen kann. Wie dann wohl alles so ist?!

Und auf der anderen Seite denkt man permanent: Warum verfliegt bloß die Zeit so sehr? Ich kann mich kaum noch daran erinnern, wie es war, sie als Neugeborene auf dem Arm zu halten. Manchmal möchte ich gerne die Zeit zurückdrehen und sie nochmal zum ersten Mal baden!

Aber ist das nicht schizophren? Da bedauern wir es, wie schnell alles vorbei ist…jede einzelne Phase. Auf der anderen Seite wird permanent verglichen, wer was schon am schnellsten kann. Da wird (scheinbar) augenverdrehend gesagt, dass man das Kind nicht mehr als Baby behandeln kann, weil es ja schon dies und das nicht mehr will. Doch unterschwellig hört man genau den Stolz dabei. Aber manchmal redet man sich das vielleicht auch ein bißchen ein. Denn man ist ja so stolz, was das Kind schon kann. Man sitzt da und wartet undgeduldig darauf, dass er/sie sich das erste Mal dreht, krabbelt, läuft. Da werden Anreize gesetzt, Kinder in die richtig Position gebracht, damit alles leichter fällt. Aber warum? Würden die Kleinen es sonst wirklich nie lernen? Oder vielleicht einfach langsamer als wir es gerne möchten?

Wir können doch nicht bedauern, dass die Zeit so schnell vergeht und gleichzeitig nicht abwarten können, dass der nächste Meilenstein passiert! Zumindest ich möchte das nicht mehr. Ich möchte alles genau so genießen, wie es gerade ist. Ich möchte genießen, wie die Mini-Mainzerin sich rückwärts durch die Gegend schiebt. Und wie sie in seitlichen Mehrfachrollen auch zum Ziel kommt. Und ich möchte es genießen, wie sie momentan ständig „da da dei“ sagt, ohne zu hoffen, dass sie bald auch „Mama“ und „Papa“ sagt. Auch das wird sie irgendwann tun. Aber wann, darüber möchte ich nicht nachdenken. Denn wenn ich mich zu viel auf das Zukünftige fokussiere, verliere ich den Blick für das, was wir jetzt haben. Und wenn es vorbei ist, werde ich es vermissen und denken, dass ich mich gar nicht mehr richtig erinnern kann. Kein Wunder, wenn ich ständig mit der Zukunft beschäftigt bin!

Die Zeit wird so oder so schnell rumgehen. Aber ich möchte versuchen, sie nicht mehr zu beschleunigen. Mein Bauchgefühl sagt, dass alles genau so gut ist, wie es gerade ist. Alle Pseudo-Förderungsversuche, die mich kurzzeitig überkommen haben, fühlen sich falsch an. Deshalb streiche ich sie aus dem Kopf. Wir haben hier ein glückliches und gesundes Kind. Das ist alles was zählt. Jegliche Übermotivation wird ihr sicherlich nicht gut tun und mir auch nicht. Deshalb ist der gute Vorsatz für das neue Jahr, mich mehr auf das JETZT zu konzentrieren und es zu genießen. Morgen und übermorgen wird früh genug kommen. Und dann habe ich auch genug Zeit diese Phase auszukosten!

Ich wünsche euch ein wundervolles neues Jahr voller Zeit, Momente und Glück!

 

21 thoughts on “9 Monate Mama – Das Leben im Jetzt

  1. Das kenne ich von mir selbst nur zu gut. Mein Kleiner wird nächste Woche ein Jahr alt und ich weiß nicht wo die Zeit geblieben ist. Auf vieles habe ich gar nicht so sehr hingefiebert, aber jetzt warte ich doch sehr auf die ersten Schritte. Vielleicht schaffe ich es ja doch das zu lassen?! Finde den Vorsatz den Moment im jetzt zu verbringen jedenfalls sehr gut, auch wenn ich Vorsätze sonst nicht so mag.
    LG, Jenny

    • Ja, gute Vorsätze sind sonst auch nicht mein Ding. Doch der scheint es mir wert zu sein ;-) Wünsche euch einen wunderbaren und besonderen ersten Geburtstag! Ob mit oder ohne Schritte ;-) LG Nina

  2. Liebe Nina,

    erstmal ganz vielen lieben Dank für deine Kommentare! Auf die geh ich aber später erst ein, wenn ich nicht mehr allzu geflasht von all den Kommentaren zu meinem Beitrag bin .. :D

    Ich bin keine Mama, deshalb kann ich das vielleicht nicht zu hundert Prozent nachvollziehen, aber ich kann mir schon gut vorstellen, dass man auch beim Baby/Kind zum Vergleichen neigt – so wie bei allem im Leben. Aber du hast Recht, es ist sowas von egal. Ich persönlich konnte mit 10 Monaten schon laufen, dafür renn ich heute ständig gegen Türrahmen :D Meine Neffen (Zwillinge) waren auch sehr unterschiedlich, der eine konnte sowohl schneller laufen als auch sprechen, dafür konnte der andere schon ganz früh Buchstaben erkennen und Worte bilden. Nur weil man etwas früh kann, heißt es ja nicht, dass man das für immer gut können wird, oder andersrum, dass wenn man etwas spät kann, man es immer schlecht können wird.
    Auch das schizophrene kann ich etwas nachvollziehen.. ich kann auch nicht fassen, dass meine Neffen nun schon fast zur Schule gehen. Dann erinnere ich mich daran, dass sie mich anfangs ganz liebevoll „Dada“ genannt haben und meinen Freund (René) „Neenee“. Heute schauen sie einen ganz klugscheißerisch an und wissen alles besser haha. Trotzdem freu ich mich gleichzeitig darauf, sie später mal von der Schule abzuholen, und dass sie vielleicht als Teenies zu mir kommen, wenn die Mama ihnen auf den Senkel geht. Jede Phase hat halt sowohl schöne als auch solche Seiten, die ruhig schnell vorbei gehen können.
    So, das war mein Roman zum Freitag.

    Vielen Dank nochmal für deine Kommentare!
    Liebe Grüße
    Leni

  3. Ich kenne manche deiner Gedanken ziemlich gut… Anton läuft (noch) nicht und krabbelt nicht und bewegt sich immer mit seinem Hintern fort. Aber er kommt überall ran, wo er hinmöchte. Mittlerweile habe ich auch gelernt, dass er soo viele andere Stärken hat, dass es egal ist, dass er relativ spät laufen wird. Und, er ist einfach auch ein kleines bisschen faul :-) Ich bin mir sicher, dass wir als Eltern nicht mehr tun können… Mir tat es gut, während der letzten Wochen kaum andere Kinder zu sehen und mich noch stärker auf Anton zu konzentrieren. Ich bin gerade total begeistert, was er alles kann – obwohl er im Vergleich zu anderen Kindern nicht „alles“ kann…
    Irgendwie klappte das bei mir ganz gut, dass ich von Anfang nicht nostalgisch war. Ich finde, Anton wird mit jedem Monat cooler und es macht noch mehr Spaß mit ihm – deshalb genieße ich jede neue Entwicklung.
    Das Bild von der Mini-Mainzerin ist so richtig goldig. Ganz, ganz schön!

  4. Liebe Nina,
    das ist so normal, dass man das Kind immer mit anderen vergleicht. Mein Finn war der erste der gekrabbelt ist und natürlich war ich da stolz. Dass andere Kinder das Krabbeln einfach übersprungen haben und dann früher laufen konnten als er, hat mich dann wieder etwas gefuchst. Jetzt wird Finn bald Drei und ich kann über sowas nur noch Lächeln. Ist ja irgendwie süß, wenn man das Beste für sein Kind will. Aufhören tut das glaube ich nie. Bei Finn sind es jetzt andere Sachen, das Zählen, Fahrrad fahren, sowas. Solange man dabei nicht versessen ist und das Kind zu nichts zwingt, ist das schon in Ordnung so.
    LG Steffi

    • Ja, im nachhinein belächelt man immer so viele Gedanken. Geht mir jetzt öfter beim Thema Schwangerschaft so ;-) Ich denke auch, es ist einfach wichtig, sich locker zu machen und dem allen seinen Lauf zu lassen!

  5. Hallo Nina,
    ja das Vergleichen fand ich sehr schlimm. Im Krabbelkurs etc. gab es immer nur dieses Thema. Ich war in der glücklichen Lage, dass Larissa mit 9 Monaten gelaufen ist, glücklich, dass über sie nicht diskutiert wurde, aber auch unglücklich, weil sie noch mit dem Kopf nicht so weit war, Gefahren zu erkennen. Sie stieg auf Matratzenberge wo andere noch friedlich da lagen. Aber mit dem Sprechen hatte sie es wiederum nicht so…. Erst als ich wieder arbeiten ging, merkte ich, dass es wieder andere Themen gibt und sich nicht alles um die eigene „Brut“ dreht, dass fand ich sehr erleichternd. Man muss sich davon losmachen, denn es geht so immer weiter: Eingewöhnung im Kindergarten, Schulleistungen bis zu wer macht als erster den Führerschein….. Ich will da auch nicht mitmachen.
    Gruß Daniela

  6. Genau Nina!
    Ordentlich den Kopf durchschütteln, alle blöden Gedanken davonfliegen lassen und einfach nur genießen!
    Sagt die schwerst erfahrene Mama! ;-)
    xx
    Jenny

    PS: Ein fantastisches neues Jahr für dich und deine Lieben und bis hoffentlich ganz bald!

  7. Hi Nina,
    genau, lass dich von diesen Gedanken nicht überrennen. Mein großer Sohn ist jetzt fast 5 Jahre alt und keiner (auch ich nicht) fragt mehr, wann er krabbelte oder zum ersten Mal lief.
    Das frage ich mich höchstens, weil ich natürlich mit seinem kleinen Bruder vergleiche. Für mich ist es noch sehr bequem, dass mein Baby nur robbt, wenn er unbedingt etwas haben möchte. Ansonsten liegt er vergnügt auf seiner Decke. Krabbeln? Wird er schon irgendwann. So muss ich jetzt noch nicht hinterher hetzen.
    Du wirst es oft hören:
    Genieß die Zeit, sie vergeht so schnell.
    Liebe Grüße und noch mehr tolle Gedanken am Kommentiertag!
    (Schön, dass ich darüber dort gefunden habe!)
    Sarah

    • Genau das ist, was ich meine. Hirn abschalten und nicht auf den nächsten Schritt warten, sondern einfach genießen, was gerade ist! Danke, dass Du den Weg hierher gefunden hast ;-)

  8. Oh ja, diese Gedanken kenne ich auch nur all zu gut. Man möchte, dass es einem egal ist, was das eigene Kind schon kann und bei diesen Vergleichen mit anderen will man schon gar nicht mitmachen, aber irgendwie übt man dann zu Hause heimlich doch das Drehen vom Bauch auf den Rücken oder irgendetwas anderes… ;-)

  9. Ich denke da sprichst du ganz vielen Mamis aus der Seele. Leider hören die Gedanken nie auf. Tom hat heute seinen ersten Tag im großen Kindergarten, da kommen einen auch viele Gedanken und Ängste. Fühlt er sich dort wohl, mögen ihn die anderen Kinder, findet er Freunde, kann er sich durchsetzten und und und. Aber das schönste was er mir dann gesagt hat, als ich ihn abgeholt habe: „Mami heute war es schön, ich will morgen wieder zu den Kindern.“ Ich denke mal auch wenn es schwer fällt, man sollte die Gedanken beiseite schieben und auf sein Kind vertrauen. Die kleinen Mäuse sind am Ende viel fiffiger und machen es in ihrem eigenem Rythmus. :-) Die Eingewöhnung war am Ende für mich viel schlimmer als für Tom. Ganz viele liebe Grüße Romy (freu mich auf weitere Gedanken von dir ;-)

  10. Herzlich Willkommen im Mama-sein! :-)
    Die Gedanken sind normal – und hören vermutlich auch nicht auf. So lange man für sich selbst die gesunde Einstellung an den Tag legt, das alles nicht an sich ran kommen zu lassen (dieses „Vergleichen“), ist alles o.k.!
    Letzte aktuelle „Vergleichssituationen“: Die Windel und das alleine schlafen. Und die ganzen gut gemeinten Ratschläge….
    Eine Freundin meinte einmal: so lange die Situation für Dich und alle Beteiligten gut ist, ist alles in Ordnung!
    Übertragen auf Robben, krabbeln, laufen lernen, durchschlafen, alleine schlafen, eine Windel tragen, alleine essen, usw usf hilft dieser Spruch ganz ungemein!
    Lebe heute!
    Gruß, uta

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