Buchvorstellung: Was will ich und wenn ja wie viele?

Lesen ist bei mir eine Sache von Phasen. Es gibt Phasen, da raffe ich mich kaum dazu auf, ein Buch in die Hand zu nehmen und dann gibt es wieder Zeiten, da verschlinge ich ein Buch nach dem anderen. Und das unabhängig von Zeit oder Qualtiät des Buches. Aktuell befinde ich mich definitiv in einer Lesephase. Und weil mir Bücher grundsätzlich so viel Spaß machen, möchte ich am liebsten hier eine kleine Buchvorstellungs-Kategorie einführen. Keine Ahnung wie oft ich in den kommenden Monaten zum Lesen komme, doch der Anfang soll einfach mal gemacht sein!

Brille klein

Starten möchte ich mit einem besonderen Buch. Der Grund: ich durfte die Mainzer Autorin, Felicitas Pommerening, vor einiger Zeit schon mal persönlich im Rahmen eines Interviews zu ihrem ersten Buch kennenlernen. Getroffen habe ich dabei eine sympathische 2-fache Mutter, die sich mit ihrem Autorinnen-Dasein einen Traum erfüllt hat. So etwas bewundere ich ja sowieso. Anfang des Jahres ist nun ihr zweites Buch erschienen, das ich in Bestzeit verschlungen habe.

Worum geht es in „Was will ich und wenn ja wie viele?“

Auf den Punkt gebracht geht es im Roman um die Fragen: Kind oder Karriere? Warum muss ich mich eigentlich entscheiden? Und wann ist der richtige Zeitpunkt? Fragen, die unweigerlich bei Frauen um die 30 Jahre aufkommen.

Diese Fragen beleuchtet die Autorin anhand verschiedener Lebenssituationen. Der Roman ist daher aus drei Perspektiven beschrieben. Die Protagonistinnen sind Freundinnen im gleichen Altern, die jedoch an ganz unterschiedlichen Punkten im Leben stehen.

Zunächst ist da Andrea. Sie ist gerade mit ihrem Freund zusammen gezogen, hat aber im wesentlichen ihre Karriere im Blick. In die mittlere Managementebene hat sie es bereits geschafft und befindet sich weiter auf dem Weg nach oben. Sie schätzt Situationen eher nüchtern ein, versteht nicht den Sinn es Heiratens und ist auch noch nicht sicher, ob sie jemals Kinder haben möchte. Sie möchte mit aller Kraft vermeiden, das Schicksal ihrer Mutter zu erleben, die irgendwann von ihrem Mann mit den Kindern sitzengelassen wurde und niemals ihre eigenen Träume und Fähigkeiten ausleben konnte. Ihr Freund hingegen möchte gerne irgendwann heiraten und Kinder haben, was natürlich einiges an Konfliktpotential bereithält. Zu eskalieren droht die Situation, als Andrea ein Angebot bekommt in die USA zu gehen, um dort ihre Karriere voranzutreiben.

Ganz anders sieht es bei ihrer Freundin Lotta aus. Sie steht kurz vor ihrer Hochzeit und ist sich sicher, anschließend in die Kinderplanung einzusteigen. In ihrem Job hätte sie gerne mehr Verantwortung, sieht zum aktuellen Zeitpunkt aber wenig Entwicklungschancen. Bis plötzlich ihre Chefin erkrankt und sie die Vertretung übernimmt. Nach der Rückkehr der Chefin, macht diese Lotta ein attraktives Angebot. Zu diesem Zeitpunkt hat Lotta gerade erfahren, dass sie schwanger ist. Ist somit Schluss mit der Weiterentwicklung, auf die sie so lange gewartet hat? Befördert sie sich als Mutter automatisch auf das Abstellgleis, wenn sie ein Jahr zu Hause bleiben möchte und im Anschluss in Teilzeit zurückkehrt?

Die dritte im Bunde ist Doreen. Sie ist Single und fragt sich, ob sie überhaupt jemals die Chance haben wird, Kinder zu bekommen. Entsprechend fühlt sie sich belastet von den Pärchen um sie herum und die Familienplanung von Lotta…so sehr sie sich natürlich für ihre Freundin freut. Doreen arbeitet im universitären Umfeld und verfolgt ihre wissenschaftliche Karriere. Als sie ein Angebot aus der Wirtschaft erhält, geht es um die Frage, ob sie lieber diesen sicheren Job annehmen soll. In der Hoffnung eines Tages eine Familie zu haben, könnte sie in diesem Umfeld beruhigt sein. Ganz im Gegensatz zu den schlechter bezahlten Verhältnissen an der Universität und den ständigen Jahresverträgen, die keine Sicherheit versprechen. Und dann ist da auch noch dieser Kollege…

Felicitas Pommerening - Was will ich und wenn ja wie viele

Meine Meinung zum Buch

Ich denke, dass Felicitas Pommerening – wie schon beim ersten Buch – den Zahn der Zeit für alle um die 30-jährigen Frauen ziemlich genau trifft. Bei der Frage Kind oder Karriere geht es auch nicht darum, die große Vorstands-Karriere anzustreben – ich denke, das ist bei den wenigsten wirklich die Absicht. Aber es geht doch um die Frage, ob ich auch mit Kind noch die Chance habe einen Job auszuüben, der meiner Qualifikation entspricht und der mich erfüllt. Denn vielen geht es doch heute so, dass nicht NUR Kind oder NUR Karriere die Erfüllung bringen, sondern die Kombination aus beidem. Genau darauf wird im Buch eingegangen. Realität ist ja leider auch heute noch, dass Teilzeit-Jobs viel zu häufig nur Zuarbeit bedeuten. In Zeiten angeblichen Mangels an Fachkräften eigentlich kaum nachzuvollziehen.

Die Autorin zeigt auch, dass es durchaus Möglichkeiten gibt, seinen Traumjob weiterzuleben, auch wenn dies natürlich nicht ganz unabhängig von der Einstellung des Vorgesetzten ist. Aber sie hebt auch einen Punkt – leider nur etwas zu kurz – hervor, der aus meiner persönlichen Sicht ganz wichtig ist: denn es ist ebenso unumgänglich, dass sich die Mutter nicht in die entsprechende Opferrolle begibt und sich sich für jede Chance bedankt oder für ihre Lebenssituation entschuldigt. Vielmehr geht es darum dem Arbeitgeber das zu bieten, was eben möglich ist, klare Verhältnisse zu schaffen und sich dabei soweit möglich flexibel zu zeigen. Natürlich geht es ihm vordergründig um die Arbeitskraft. Wenn diese geboten wird, ist es möglicherweise gar nicht so wichtig, ob Mutter oder nicht und wieviele Stunden genau gearbeitet werden.

Das Buch zeigt, dass es von beiden Seiten kein schwarz und weiß gibt, sondern jeder seinen Weg finden kann, auch wenn er vielleicht nicht immer offensichtlich ist oder sich direkt vor einem präsentiert. Man wird wahrscheinlich nie alles haben können, aber manchmal doch mehr, als man zunächst geglaubt hat.

Die vielen Zweifel, Gedankengänge und Hoffnungen der Protagonistinnen sind sehr leicht und locker beschrieben, ohne dass es dabei an Tiefgang fehlt. Man kann problemlos in das Buch eintauchen und erst wieder auftauchen, wenn man auf der letzten Seite angekommen ist. Ein schöner Roman, der sein Plädoyer dafür gibt, nicht von vorherein zu resignieren, sondern es einfach zu versuchen – und vielleicht auch mal positiv überrascht zu werden.

Vielen Dank an Felicitas, die mir das Buch zur Verfügung gestellt hat. Die Meinung zum Buch ist dennoch meine ganz eigene.

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