Erwin Mosen – ein Mainzer Künstler und Brunnenbauer

Endlich teile ich mit euch diesen tollen und informativen Artikel meines Brunnen-Co-Autors Christoph. Er hat ihn schon im Sommer geschrieben, nur ich wegen des Lebens 1.0 nicht früher veröffentlichen können. Daher fühlt euch bitte nochmal zurückversetzt in ein sommerliches Feeling. Auf dem Rad durch Mainz. Danke Christoph…

Im Februar vergangenen Jahres ist Erwin Mosen in Mainz gestorben. Wer? Das werden sich die meisten nun fragen. Zugegeben, auch mir war der Name bis vor einigen Jahren noch kein Begriff.

Doch der 1932 im westfälischen Nickenich geborene Steinbildhauer sollte, nachdem er 1978 nach Mainz gezogen war, in unserer Stadt seine Spuren hinterlassen.

Als Ausbildungsleiter für Steinbildhauerei bildete er bei der Handwerkskammer Rheinhessen von 1978 bis 1994 Lehrlinge aus und wirkte in der Meisterklasse in Theorie und Praxis mit. Außerdem gelang es ihm, junge Menschen für Projekte im öffentlichen Raum zu begeistern und diese mit ihnen umzusetzen und erfolgreich abzuschließen.  Um diese Meisterwerke soll es heute gehen. Wie Ihr es aus meinen bisherigen Beiträgen beim „Mainzer Wohnzimmer“ kennt, geht es dabei natürlich vornehmlich um unsere Mainzer Brunnen.

Nachdem ich zur närrischen Jahreszeit den Fastnachtsbrunnen näher betrachtet habe, geht es heute um kleinere Brunnen und Kunstwerke. Am Mainzer „Narrenturm“ oder am Fischtorbrunnen ist jeder schon mindestens einmal im Leben vorbeigelaufen oder hat dort verweilt- doch bleiben die kleinen Brunnen der Stadt eher unbemerkt. So ist es auch mit den Brunnen, die von Erwin Mosen geplant und mit Unterstützung seiner Lehrlinge entstanden sind.

Der Sommer ist wunderbar. Wenn sich die Temperaturen um die 25°C bewegen, ist bestes Fahrradwetter. Also, rauf aufs Rad und losgeradelt, direkt nach der Arbeit nach einem langen Büroarbeitstag. Endlich Bewegung und frische Luft.

Meine Tour beginnt heute in der Mainzer Neustadt. An der Ecke „Feldbergstraße/Illstraße steht Erwin Mosens „Steinpflanze“. Ganz in der Nähe in einem „Gemischtwarenladen“ hole ich mir ein Eis am Stiel und setze mich auf eine der Sitzbänke am kleinen Brunnen. In seiner Mitte, ragt ein rund ein Meter hoher Sandstein heraus. Dieser wirkt wie eine wachsende „Pflanze aus Stein“, aus deren „Knospe“ eine kleine Fontäne sprudelt. Zwischen den „Blättern“ plätschert das Wasser in das Becken aus Backsteinen. Die „Steinpflanze“ dürfte eines der ersten Werke von Erwin Mosen in Mainz sein, die mit Hilfe seiner  Auszubildenden 1980 fertig gestellt wurde. Es ist ein wirklich schöner, kleiner Platz in der Mainzer Neustadt. Gut zu wissen, dass man hier auch kaum mit störendem Autoverkehr rechnen muss.

Erwin Moses - Steinpflanze_Mainz

Weiter geht es mit dem Rad, vorbei an der „Caponniere“  am Ende des Feldbergplatzes, wer mag kann auch hier kurz anhalten und Pause machen. An der Rheinseite stehen einige Tische und es gibt heiße und kalte Getränke. Sicherlich ein netter Treff mit Kollegen zum Feierabend. Etwas störend sind die Autos, die unmittelbar dort parken.

Erwin Moses -Caponniere_Mainz

Die Fahrt am Rheinufer entlang lässt wahrlich Urlaubsfeeling aufkommen. Seit einigen Tagen sprudelt auch die „Frauenlobbarke“ wieder, an der ich unmittelbar vorbeiradele.

Hinter dem Winterhafen heißt es, bergauf strampeln zum Stadtpark. in den Sommerferien ist hier wirklich wenig los. Selbst im Biergarten der Favorite gibt es heute genügend Plätze. Da es schon ziemlich warm ist, trinke ich eine Apfelsaftschorle und schwinge mich gleich wieder aufs Rad. Das nächste Kunstwerk von Erwin Mosen will von mir entdeckt werden: der Tropfenbrunnen. Dieser befindet sich auf dem Gelände des Seniorenwohnheimes in der Göttelmannstraße. Hier wird gerade fleißig gebaut, ein Erweiterungsbau entsteht und ich befürchte schon, der Brunnen könnte diesem zum Opfer gefallen sein. Die letzte verlässliche Quelle stammt aus dem Jahr 2012.  Ich finde zwar den Brunnen, etwas versteckt hinter Büschen, doch dieser liegt trocken. Er kann sich jedoch auch ohne laufende Fontäne sehen lassen- schade trotzdem. Für einen Brunnenliebhaber ist es eben so nur die halbe Freude. Der Brunnen besteht aus einer Brunnenschale, aus der das Wasser in das mit großen Steinen gefüllte Brunnenbecken fließen kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich hier, wenn die Baufahrzeuge wieder verschwunden sind, bald wieder die Bewohner treffen, um dem Brunnenplätschern zu lauschen und sich zu unterhalten. Der Brunnen steht seit 1992 an dieser Stelle im Seniorengarten.

Erwin Moses - Tropfenbrunnen_Mainz

Weiter geht die „wilde Fahrt“ , erst Richtung Weisenau und dann durch die Kleingartensiedlung jenseits der Göttelmannstraße. Auf dem Weg sehe ich , dass der „Kugelbrunnen“ ebenfalls stillgelegt und in ein Pflanzenbeet verwandelt wurde. Die Hechtsheimer Straße ist dann ein Stück weit „Durststrecke“, nicht nur wegen der Hitze. Ich schaue kurz aufs Handy um mir Orientierung zu verschaffen, wie ich nun am günstigsten zu meinem nächsten Erwin Mosen-Kunstwerk komme: der Brunnen „Auf dem Hewwel“ auf der Hechtsheimer Frankenhöhe. Es wird langsam spannend, ich fahre in  die Schwarzwaldstraße ein, dann noch einmal links in die Bodenheimer Straße und das Ziel ist nun nur noch wenige Meter entfernt. Ob der Brunnen wohl laufen wird`? Und was bedeutet eigentlich „Auf dem Hewwel“`? Ich vermute so etwas ähnliches wie „Hügel“ oder so etwas. Wobei der Rheinhesse da doch eher „Hiwwel“ sagt, oder?

Erwin Moses -Hewwelbrunnen_Mainz

Nun steigt aber die Spannung, der Blick im Vorfeld der Tour auf das Brunnenbarometer macht mich skeptisch, ob die Anlage läuft: bisher sind keine Spenden für den 1994 eingeweihten Brunnen eingegangen. Doch ich werde für die Mühen belohnt, bis hierher trotz sommerlicher Temperaturen durchgehalten zu haben: der kleine Brunnen ist tatsächlich in Betrieb. Die Brunnenskulptur, die  Erwin Mosen hier erschaffen hat, soll an die Zeit der Franken (500 n. Chr. bis ca. zweite Hälfte 7. Jahrhundert) erinnern: bei Ausgrabungsarbeiten in den 1980er Jahren wurden von Archäologen Gräber sowie Waffen, Pfeilspitzen und Keramikgefäße gefunden, die sich als Nachbildungen am oder im Brunnen befinden. Leider liegt der Platz etwas verlassen, ein kleines Eiscafé wäre da doch schön und passend. Ein weiteres Seniorenheim liegt in unmittelbarer Nähe. Auch ältere Menschen erfreuen sich noch am sprudelnden Nass und queren den Platz. Ein kleines Kiosk hat geöffnet, doch statt Kunden bedienen sich die Inhaber selbst und sitzen gemütlich vor dem Geschäft im Schatten.

Erwin Moses - Bürgersäule_Mainz

Den Abschluss meiner „Erwin-Mosen-Tour“ ist die Bürgersäule in der Landwehrstraße, Ecke Gleiwitzer Straße vor der Ortsverwaltung der Oberstadt am „INNdependence“. Das Restaurant bietet vor allem ein reichhaltiges Frühstücksbuffet an, das ich vor einigen Jahren getestete habe. Positiv auch: die Einrichtung beschäftigt überwiegend Menschen mit Beeinträchtigungen. Die Bürgersäule vor dem Gebäude ist aus dem bereits von anderen Kunstwerken bekannten roten Sandstein und sitzt auf einem kleinen Sockel. Das Stadtwappen mit dem Zusatz „Mainz-Oberstadt“ sowie Weinreben und ein Löwenkopf“ fallen mir auf.  Nun bin ich am Ende meiner heutigen Entdeckungstour. Einige Spuren, die Erwin Mosen in Mainz und Umgebung hinterlassen hat, habe ich entdeckt. Es gibt noch ein paar weitere, auch auf der anderen Rheinseite. Kennt Ihr sie? …Macht euch auf die Suche;-).

Aber vergesst das Trinken nicht. Ist ja Sommer – meistens jedenfalls.

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