Essbare Stadt Mainz – und die ständigen Nörgler

Manchmal glaube ich, dass ich süchtig bin. Denn anders kann man es doch nicht erklären, wenn man Dinge tut, die einem nicht gut tun und es trotz allem nicht sein lassen kann. Was meine Sucht ist? Ich vermute Adrenalin – in besonders merwürdiger Ausprägung.

Ich kann es einfach nicht sein lassen, Kommentare unter Zeitungsartikeln im Netz zu lesen. Ob es sich jetzt um Spiegel Online, Tagesschau oder die Allgemeine Zeitung handelt ist egal. Ich lese einen Artikel und irgendwie interessiert mich, was andere darüber denken. Und dann steigt plötzlich der Blutdruck. Denn wie das Amen in der Kirche, finden sich dort zu 80% Kommentatoren, deren weltliche Beschränktheit kaum zu übertreffen ist.

Der aktuellste Fall – und ich muss jetzt einfach mal darüber schreiben – ist das Thema „Essbare Stadt“. Ihr habt ja bestimmt auch schon gesehen, dass in Mainz an der einen oder anderen Stelle anstatt Blumen, Kräuter angepflanzt werden. So am Schillerplatz, gegenüber des Kaufhofs und auf der Grünen Brücke. Das sind nur die mir bekannten Stellen.

Essbare Stadt Mainz

Darüber berichtete auch die Allgemeine Zeitung. Ich lese den Artikel noch freudig durch und freue mich darüber in eine so wunderbaren Stadt zu wohnen (das tue ich ja eigentlich ständig), die immer wieder mit neuen Konzepten und Ideen etwas probiert. Es muss ja nicht immer alles funktionieren, aber man kann doch etwas probieren! Denn aus meiner Sicht ist es genau das, was diese Stadt so lebenswert macht. Nicht, weil alles perfekt ist, sondern weil es hier so viele Menschen mit schönen Ideen gibt!

Am Ende scrolle ich voller Freude weiter runter zu den Kommentaren. Großer Fehler!!! Leider könnt ihr das jetzt nicht mehr nachvollziehen, weil dummerweise die Kommentare scheinbar gelöscht wurden oder sonstwas. Ist für meine Ausführungen jetzt blöd, aber sinngemäß kann ich euch die Inhalte noch wiedergeben. Hier ein paar der Kommentare (wie gesagt sinngemäß) und meine Gedanken dazu:

Kommentar 1

Scheinbar hat ja Frau Eder nix besseres zu tun, als unsere Steuergelder zu verschwenden und wegen eines solchen Blödsinns nach Andernach zu fahren!

Stimmt. Die Stadt Mainz wird es auf jeden Fall in den Ruin treiben, wenn Frau Eder mal in eine 100km entfernte Stadt fährt. Noch dazu, um sich zu informieren und nicht einfach blind irgendwas zu machen. Würde sie einfach wahllos irgendetwas tun, wäre wohl ein Kommentar dazu, dass man sich ja im eigenen Bundesland über das gleiche Projekt erstmal informieren sollte.

Kommentar 2

Man kann den Kram doch eh nicht essen, weil durch den Verkehr alles verseucht ist.

Dass die Beete direkt neben dem Straßenverkehr gelegen sind, ist natürlich richtig. Wie da die Belastung aussieht…keine Ahnung. Es mag ein Funke Wahrheit dran sein. Aber wer sich mal die Artikel genau durchliest und nicht nur rummeckert, der würde erkennen, dass durch den Anbau der Kräuter auch eine Art Bildungsauftrag vorgesehen ist. Den Städtern und vor allem auch Kindern spielerisch Pflanzen näherzubringen finde ich alles andere als verwerflich. Zumal (lt. Artikeln) die Kosten für den Anbau der Kräuter sich im gleichen Rahmen bewegen wie die Pflanzung von Blumen! Was also ist verloren? Davon mal abgesehen ist kaum anzunehmen, dass die gesamte Mainzer Bevölkerung beabsichtigt, ihren Grundbedarf über diese Beete abzudecken.

Essbare Stadt Mainz 2

Kommentar 3

Was kümmert sich die Stadt um sowas. Es gibt Stadtteile, in denen die Spurrillen auf den Straßen so tief sind, dass man kaum um die Ecke fahren kann.

Äh – ja. Wir leben echt in einem dritte Welt Land. Gehts euch nicht auch öfter so, dass ihr in Mainz mit dem Auto nicht abbiegen könnt, weil die Spurrillen so tief sind?! Meine Güte…

Kommentar 4

Die Stadt sollte sich lieber um die ordentliche Bepflanzung in den Stadtteilen kümmern und nicht nur um das repräsentative.

Dazu kann ich nur mal ein Beispiel (von mehreren) geben. Denn einerseits soll die Stadt überall sparen…aber wenn vor der eigenen Haustür das öffentliche Beet nicht zu 100% gepflegt ist, dann wird das gleich zum Aufreger. Wie wäre es denn, einfach mal selbst aktiv zu werden? In der Neustadt gibt es mehrere Beispiele, bei denen Bewohner es sich direkt vor ihrer Haustür einfach selbst schön gemacht haben. Ob ich das nun schön finde oder nicht, ist ja eine andere Sache. Aber es geht darum, mal Eigeninitiative zu ergreifen.

Essbare Stadt Mainz 3

Die ganzen Meckerer sollten vielleicht auch mal darüber nachdenken, dass WIR ALLE die Stadt sind. Die Stadt ist nicht nur ein fremdes Wesen, dass uns ihre Meinung aufdrängt. Von uns allen wurden Vertreter unserer Interessen gewählt. Jedem steht es frei, sich selbst darum zu bewerben und gewählt zu werden, wenn einem die Stadtentwicklung so am Herzen liegt. Natürlich sollte konstruktive Kritik geäußert werden dürfen…aber aus den Kommentaren kann ich keine konstruktive Kritik herauslesen.

So. Das musste jetzt einfach mal gesagt werden. Und dabei geht es ja auch nicht nur um diesen Fall, sondern kann um ein beliebiges Thema gehen. Dieses Gemecker, egal was mal angepackt wird, kann ich kaum ertragen. Einfach mal selber besser machen ist angesagt, wenn alles nicht passt. Und manchmal kann man auch ein bißchen Demut zeigen. Demut darüber, dass wir von so einer tollen Infrastruktur und einem reichen Land ummantelt sind, dass wir uns überhaupt über so etwas wie die Bepflanzung von Beeten Gedanken machen können.

 

2 thoughts on “Essbare Stadt Mainz – und die ständigen Nörgler

  1. Liebe Nina,

    ich kann Dir nur Recht geben. Im Grunde ist es doch bei jedem Thema so, dass fast nur kritische Kommentare unter den Artikeln stehen. Warum schreibt kaum jemand, dass etwas gut ist so wie es ist. Ich verwende da gerne den hashtag #einfachmaldieklappehalten. Man tut sich doch selbst was Gutes, wenn man sich nicht ständig über alles aufregt und so negativ ist.

    Liebe Grüsse, Claudi

  2. Sehr schöner Artikel! Es wird leider sehr viel gemeckert und an allem die negative Seite hervorgehoben. Neulich beim Feuerwerk bei der Johannisnacht, bekam ich ein Kommentar von einem jungen Mann mit: „Was das alles an Geld gekostet hat!“ Mehr positives Denken würde den Menschen gut tun :-)

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