Fastnacht 2015: Top oder Flop?

Habt ihr es gemerkt? Am vergangenen Wochenende war Fastnacht!!! Jaaa, ich weiß, die meisten können es schön nicht mehr hören. Die einen flüchten aus der Stadt, die anderen stürzen sich ins Getümmel. Ich persölich kann ja beides verstehen.

Es gab durchaus Jahre, in denen ich – vom Ursprung her eine Non-Fassenachterin – auch überhaupt keine Lust hatte und die Stadt verlassen habe. Doch für dieses Jahr stand fest: mittendrin statt nur dabei! Denn nachdem ich im vergangenen Jahr mit Oblix-Bauch und gezwungenermaßen ohne Alkohol und zur Sicherheit in der allerhintersten Reihe verbringen musste und ausschließlich der Fotoapparat zum Einsatz kam, sollte dieses Jahr alles anders sein. So war es dann auch!

Ich sitze hier noch mit blauen Fingernägeln…die letzten Reste eines ausgetüftelten Krümelmonster-Kostüms. Nachdem ich ca. 7 Jahre lang als Pirat(in) unterwegs war. Revolutionsartig also!

Fastnacht_Mainz_Krümelmonster

Um 10 Uhr starteten wir unseren Rosenmontag bei einer Freundin mit einem ausgiebigen Frühstück. Anschließend ging es schon ziemlich gut gelaunt zum Umzug. Das schöne an der feuchtfröhlichen Laune ist ja, dass man sehr einfach und schnell mit Menschen in Kontakt kommt und direkt ziemlich gut befreundet ist…für die kommenden 3 Stunden. So ereignete es sich, dass ich meinen guten Freund Kosti kennenlernte. Kosti heißt eigentlich gar nicht Kosti. Aber das ist ja an solchen Tagen ziemlich egal. Kosti versorgte mich ziemlich lange mit ziemlich viel Sekt. Fand ich super.

Irgendwann bewegte ich mich vom Zug weg in Richtung Blumen. Denn was mich ziemlich glücklich machte: dort gab es eine Pipi-Flatrate! Yeah!!! Auf meinem Weg zurück war auf einmal Leere auf der Gasse! Was war passiert? Während ich so anstand war plötzlich der Zug vorbei. Huch…wie lange war ich nochmal weg???

Es folgte ein Besuch der … äh … Sternekneipe „Good Times“, bevor wir schließlich am Höfchen landeten. Dort ging es dann eigentlich auch gar nicht mehr weg. In so seeliger Laune vergehen die Stunden einfach mit einem Fingerschnipp! Es bleibt festzustellen, dass wir grundsätzlich ziemlich viel Spaß hatten. Wie das so ist mit Freunden. Trotz allem hat sich ein kleines ABER eingeschlichen.

Fastnacht_Mainz_Konfetti

Was war passiert? Ich war etwas enttäuscht vom diesjährigen Umzug! Den der Grundgedanke, der die meiste Zeit blieb: warum spielen die keine Musik? Denn es war wirklich so, dass wir kaum Musik hörten. Ich war permanent in fröhlicher Tanzlaune, aber da war nix, wozu man tanzen konnte. Immer mal wieder kam ein Wagen mit angemessener lauter Mitsingmusik. Aber oft genug war da nix. Einfach gar nix. War das überall so? Oder ist das Landesmuseum ein schlechter Standort? Geworfen wurde auch kaum etwas. Das macht mir persönlich jetzt nicht so viel aus. Trotz allem empfand ich die Straßen-Party-Tanz-Ausrast-Rumhüpf-Stimmung als eher bescheiden!

Der zweite Punkt der ganz anderen Art ärgerte mich aber noch viel mehr. Wir waren schon so halb auf dem Heimweg, als ein paar Italiener mich ansprachen. Am Anfang fand ich es noch witzig und ich packte meine paar italienischen Wortfetzen aus. Aber eine alkoholseelig Freundlichkeit wurde mit irgendetwas verwechselt. Etwas das mit Festhalten und Bedrängen zu tun hatte. Da, wo man mehrmals sagt, dass es genug sei und man jetzt bitte gehen soll und das einfach ignoriert wird! Glücklicherweise waren meine Freunde ganz nahe und ich konnte mich retten. Aber was, wenn dem nicht so gewesen wäre?

Grundsätzlich möchte ich solche Großveranstaltungen wirklich nicht schlecht reden. Denn ich bin gerne dabei und es macht mir Spaß mit ganz vielen Menschen ganz viel Unsinn zu reden. 98% der Begegnungen sind ausschließlich positiv und sprühen vor Lebensfreude. Trotz allem gibt es immer einige, die meinen Situationen ausnutzen zu müssen. Oder auch Menschen, die ihren Alkoholkonsum nicht steuern können und aggresiv werden. So etwas ist uns glücklicherweise nicht begegnet. Zudringlichkeit möchte ich noch nicht mit Aggressivität gleichsetzen. Trotz allem bleibt ein schaler Nachgeschmack.

Die Polizei meldete im Anschluss an Rosenmontag keine unerwartete Vorkommnisse. Allerdings viele Prügeleien. Ok, unerwartet waren diese also nicht.

Und so geht der Rosenmontag 2015 zu Ende. Mit ganz viel Spaß und trotz allem zwei Punkten, die mir nicht gefallen haben. Natürlich sind diese beiden ganz unterschiedlicher Art. Mal schauen, wie es das kommende Jahr wird. In diesem Jahr waren wir ohne Kind unterwegs. Möglicherweise wird die Mini-Mainzerin 2016 mit von der Partie sein…dann wird es sowieso ganz anders.

Aber ich sehe es positiv und sage: Danke Mainz für eine großartige Party! Und Kosti, falls Du das liest, danke für Deine top Sekt-Versorgung!

3 thoughts on “Fastnacht 2015: Top oder Flop?

  1. Es ging mir ähnlich wie dir dieses Jahr. Ich mag den Trubel und die Verrücktheit des Faschings, aber dieses Jahr ganz ohne Alkohol hat es leider weniger Spaß gemacht und irgendwie hatte ich weniger Kraft als sonst. Und ich hatte, Gott sei Dank, keine unangenehmen Erfahrungen (außer, dass ich bei einem Konzert auf die Bühne gezerrt wurde, aber das war eher peinlich als unangenehm), obwohl ich am Sa um Mitternacht ganz alleine nach Hause unterwegs war. Ich war gerne dabei aber jetzt bin ich auch froh, dass alles vorbei ist und bald der Frühling kommt. HELAU!

  2. Hi. Hier ist einer, der die Stadt verlässt.

    Mir nehmen Menschenmassen ohnehin schon meistens viel Energie. Ich bin neu in Mainz. Ich wollte es mir eigentlich auf dem Weg zum Bahnhof anschauen. Aber als ich dann bei der Christuskirche war, war es mir so unangenehm, dass sich meine innerliche Abwehrhaltung eingeschaltet hat.

    Meine Schwester feiert jedes Jahr vorne in der ersten Reihe mit und sagt mir, wie auch dein Blogartikel: „Mach dich mal locker. Es funktioniert halt nicht, wenn man sich nicht darauf einlässt.“ Aber ich habe nicht das Gefühl dass ich das steuern könnte. Ich sehe betrunkene, unsympathische Männer und Frauen mit schlechten Manieren neben spielenden Kindern(!). Und dann mache ich mir sorgen um diese Kinder und bin wütend auf die Menschen die mich anlallen um dann über ihren eigenen, nicht lustigen Spruch den sie mir gerade gedrückt haben, zu lachen. Es fühlt sich in mir an wie ein Schutzmechanismus, ich musste da schnell wieder weg.

    Ich finds okay, wenn Menschen sich unter bestimmten Umständen betrinken; z.B. in einer Kneipe, wo fast alle sich betrinken, der Barkeeper eine gewisse Aufsichts-Rolle einnimmt und Kinder eh nichts verloren haben. Und solche Massenveranstaltungen finde ich auch okay. Aber die Kombination finde ich schlimm.

    Als ich am Bahnhof in den Zug stieg, war ich völlig platt. Manche Menschen sammeln durch solche Tage energie, manche verlieren sie durch diese Tage. Vielleicht hat das gar nichts mit „mal locker machen“ zu tun.

    So. Ich hoffe ich bin jetzt niemandem auf den (bunt gemusterten) Schlips getreten. Das wollte ich jedenfalls nicht mit meinem Kommentar. Und ich kann mich auch nicht erinnern von einem Krümelmonster angepöbelt worden zu sein :D

    • Ich kann Dich total verstehen. Nicht für jeden ist sowas der richtige Ort und manchmal hat es auch nichts mit „lockermachen“ zu tun. Manchmal sieht man aber natürlich auch mehr von dem, was man schon erwartet. Und das kann dann natürlich ggfs einen negativen Fokus zwischen ganz viel Freude haben. Aber wie gesagt, ich verstehe Deinen Punkt. Und ganz ehrlich: NIEMALS würde ich so feiern gehen, wenn mein Kind mit dabei wäre. Und ich würde mich auch nicht so in die Massen wagen. Möglicherweise würde ich mir sogar einen ganz anderen Umzug aussuchen, denn in MZ gibt es durchaus auch noch andere Umzüge, die kinderfreundlicher sind und bei denen der Fokus auf den Kleinen liegt.
      Achso und ich habe auch gehört, dass Krümelmonster so von ihrem Wesen her ziemlich friedlich sind…mit und ohne Alkohol :-D

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