Heimat ist…

„Heimat ist, was man vermisst!“ So zumindest sagt es ein Buch von Sebastian Schnoy, das uns mit einem Augenzwinkern durch unsere Heimat Deutschland führt. Und mit vielen Dingen hat er durchaus recht.

Wie ich darauf komme? Ich habe diese Woche in meiner Heimat verbracht. In Gelnhausen. Ich weiß ja nicht, wie es euch geht. Ich habe ein sehr ambivalentes Verhältnis zu meiner Heimat. Denn ich vermisse hier eigentlich ziemlich wenig. Und trotzdem hat man ja doch ein wohliges Gefühl zurückzukommen. Man kennt jeden Winkel, man weiß wie hier alles funktioniert. Schon immer. Und irgendwie hat sich auch wenig verändert. Natürlich kommen Geschäfte hinzu, Bekannte ziehen weg, Straßen werden umgeleitet, Häuser gebaut. Doch irgendwie ändert sich trotz allem nichts.

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Gelnhausen ist wirklich eine wunderbare Stadt. Mittelalterlich geprägt, gibt es unzählige Fachwerkhäuser und kleine Gäßchen, zwei imposante Kirchen im Zentrum, einen traumhaften Ausblick, einen riesengroßen Wald gleich um die Ecke meines Elternhauses, die Überreste einer Kaiserpfalz und die eine oder andere Persönlichkeit lebte hier oder wurde hier geboren. Und für das tägliche Leben von heute, gibt es wirklich viele Schulen, zwei Schwimmbäder, Einkaufszentren, Kinos…eigentlich wirklich alles. An anderer Stelle habe ich schon mal über mein Heimatstädtchen geschrieben. Ein Besuch lohnt sich wirklich. Von Mainz aus, fahrt ihr eine knappe Stunde und könnt der Stadt einen absolut lohnenswerten Tagesbesuch abstatten.

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Trotz allem bin ich jedes Mal auch wieder froh, nicht hierzubleiben. Ich liebe es natürlich bei meinen Eltern zu sein und genieße den großen Garten, von dem ich in Mainz sicherlich erstmal vergebens träume. Auf der anderen Seite gibt mir der Gedanke, dass ich wieder hier wohnen sollte, ein beklemmendes Gefühl. Ich weiß aber nicht, woher es kommt. Meine Kindheit und Jugend hier war wunderbar, der Traum hier wegzugehen gleichzeitig immer präsent. Es gibt eine Millionen Gründe hier zu leben und kaum benennbare Gründe, dass ich es doch auf keinen Fall möchte.

Gelnhausen

Das Gefühl irgendwie gefangen zu sein, hat sich hier etabliert. Blödsinn, aber es ist doch da. Die Vorstellung in die gleichen Geschäfte zu gehen, die ich in meiner Jugend besucht habe, schränkt mich ein. Der Gedanke, dass meine Tochter auf die gleiche Schule geht, wie ich damals gegangen bin, beklemmt mich. Und so schön die viele Natur, die Ruhe und Großzügigkeit sind, so sehr belasten mich das kleinstädtische Gerede und das Gefühl, jeden zu kennen (auch wenn das natürlich inzwischen definitv nicht mehr der Fall ist).

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Eigentlich bin ich auch kein Mensch für die Großstadt. Schon Frankfurt war mir zu groß und ich bin mehr als dankbar, in Mainz gelandet zu sein. Davon abgesehen, dass die Stadt wunderschön ist, ist auch die Größe total mein Ding. Überschaubar, aber groß genug, um für sich sein zu können. Natürlich würde ich es schön finden, die Großeltern für die Mini-Mainzerin und einige Freunde näher bei mir zu haben. Doch den Preis der Entfernung muss ich wohl bezahlen. Das ist der Preis für das Gefühl, richtig durchatmen zu können. Für das Gefühl der Freiheit. Manche Emotionen sind einfach nicht beschreib- und erklärbar und vor allem irrational. Aber ich bin froh, mit Mainz ein neues Zuhause so nah an meiner alten Heimat gefunden zu haben. Denn ich komme natürlich gerne zurück. Ich genieße die Zeit bei meinen Eltern und in meiner Heimatstadt sehr. Es ist einfach alles ein wenig ruhiger und gemütlicher. Ein bißchen wie Urlaub, das Gefühl eine kleine Höhle zur Erholung zu finden. Aber wie es nach einem Urlaub so ist, kommt man auch gerne wieder zurück. Dahin, wo man sich eingerichtet hat, wo man sich wohl fühlt und wo einfach alles am richtigen Platz ist.

Und wie geht es euch? Hängt ihr an eurer Heimat oder seid ihr auch froh einen gewissen Abstand zu haben?

2 thoughts on “Heimat ist…

  1. Hallo Nina,

    ich bin vor ein paar Tagen auf deine Seite gestoßen und dachte gleich das Foto zum Artikel „Heimat ist…“ kommt mir bekannt vor. Die Welt ist bekanntlich mal wieder klein. Auch ich bin vor ein paar Jahren der Liebe wegen von Gelnhausen nach Mainz gezogen und habe es seitdem nie bereut. Mit viel Spaß habe ich schon einige deiner Beiträge gelesen. Ich bin gespannt, wie es mit deinem Blog weiter geht. Den einen oder anderen Tipp zum Thema Frühstücken werde ich sicherlich noch ausprobieren.

    Viele Grüße aus der Altstadt
    Simone

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