Mama sein: vom Planen und Denken

Aktuell ist wieder so eine Phase. Gefühlt jede zweite Frau im näheren oder weiteren Bekanntenkreis ist schwanger. Die einen zum ersten, die anderen zu wiederholten Male.

Bei Frauen, die zum ersten Mal ein Kind erwarten gibt es aus meiner Sicht grob gezeichnet drei Typen. Erstens die Frauen, die eine ganz klare Vorstellungen und Pläne für Ihr Muttersein haben. Zweitens diejenigen, die tatsächlich einfach alles auf sich zukommen lassen und nebenbei zu erledigen scheinen. Drittens diejenigen, die voller Angst sind, Bücher lesen und schon vorab befürchten alles falsch zu machen.

Ich kann mich in Kategorie Nummer 1 einordnen. Auch wenn ich mich selbst als verhältnismäßig entspannte Schwangere empfunden habe, so hatte ich doch (gerade für das erste Jahr) sehr viele konkrete Vorstellungen. Eckpfeiler waren hier: ich möchte nicht stillen, mein Kind schläft von Tag 1 im eigenen Zimmer, Kita ab 1 Jahr ist gesetzt.

Ähnliches beobachte ich aktuell an verschiedenen Mütter auch. Und während ich mich zu 100% hineinfühlen kann in dieses „man kann alles im Griff behalten, wenn man nur konsequent ist“, so sehr muss ich auch in mich hineingrinsen. Denn es wäre ein Wunder, wenn das alles tatsächlich so kommt. Nicht ausgeschlossen, aber eher unwahrscheinlich.

Hätte mir jemand vorher gesagt, wie unser Leben im ersten Jahr oder auch heute aussieht, da hätte ich über mich selbst den Kopf geschüttelt. Nichts im Griff behalten und inkonsequent gewesen. Ein bißchen hätte ich mich vielleicht auch für mich selbst geschämt. Denn erst große Sprüche reißen und dann doch einknicken? Puh…

Doch heute weiß ich, dass das alles nicht schlimm ist und genau das möchte ich auch der Kategorie 1-Schwangeren gerne mit auf den Weg geben. Natürlich gibt es einem eine gewisse Sicherheit, einen fertigen Erziehungsplan in der Tasche zu haben. Aber meistens wird da nix draus. Das Problem ist, man kann wohl keiner Mutter to-be erklären, warum alles so ganz anders kommt. Auch wenn ich das am Rande meines Universums auch als Rauschen vernommen habe, so ist es nicht zu mir durchgedrungen. Ohne die Erfahrung im Alltag mit Kind gemacht zu haben, ist es einfach nicht vorstellbar, was es heißt, an irgendwelchen dusseligen Plänen festzuhalten. Welche Energieverschwendung.

Man kann niemandem vorher klarmachen, dass einen eine Geburt verändert. Wie auch immer, aber sie verändert. Die Liebe zu einem Kind verändert einen. Der Stress verändert einen. Und das Kind verändert einen. Denn man weiß nicht, was für ein Baby einem der Storch da ins Körbchen gelegt hat. Welche Ansprüche es vehement durchsetzt, welche Empfindlichkeiten es möglicherweise hat. Jedes kleine Wesen ist so einzigartig und besonders und schon unglaublich geformt. So etwas begreift man erst in der Sekunde, in der dieses Wesen zum ersten Mal im Arm liegt.

Ich habe übrigens am Ende 7 Monate gestillt. Nicht mit Begeisterung, aber ich habe mich kurz vor der Geburt (Hormone oder so?) dazu entschlossen, es wenigstens mal zu probieren. Daraus wurden 7 Monate.

Unser Kind hat 10 Monate im Beistellbettchen geschlafen. Denn sie war nach der Geburt nicht gleich fit und musste noch länger im Krankenhaus bleiben. Die Angst, dass sie einfach aufhört zu atmen war riesig, deshalb blieb sie ohne Zweifel bei uns. Und dann war es plötzlich auch schön. Ich bin froh, mir diese Chance gegeben zu haben. Und noch heute liebe ich es, wenn sie bei uns schläft. Ich liebe es auch, mal alleine zu schlafen, aber neben ihr aufzuwachen ist einfach wunderschön…

Mit 14 Monaten ist sie tatsächlich in die Kita gegangen und ich war damals sehr froh, ein paar Stunden am Tag mal wieder für mich zu haben. Hätte ich aber von mir erwartet, dass ich bei der Eingewöhnung heulend hinter der nächsten Hausecke warte und sie gedanklich doch wieder abmelden möchte? Das muss ein anderes „ich“ gewesen sein.

Also macht euch nicht zu verrückt mit dem „mein Kind muss aber“, weil man denkt, das gehöre so. Vielleicht hat es sich in irgendeiner Zeit mal so gehört. Und wenn es einem aus irgendwelchen Gründen unglaublich wichtig ist, dann muss es halt so sein. Aber es wird ein wahrscheinlich ein Kampf.

Es ist kein Gesichtsverlust, wenn das Kind Regeln bestimmt. So empfinde ich es heute. Wir Eltern stellen noch genügend Regeln im Alltag und im Leben auf, die unvermeidbar sind. Ob jedoch das eigene Kind nun ein halbes, ein ganzes oder gar drei Jahre mit im Zimmer schläft…wen soll es jucken? Solange es euch gefällt?

Also immer locker bleiben. Mit euch. Mit eurem Baby. Denn ihr seid die Experten. Ein Baby zu bekommen bedeutet das erste Mal im Leben so richtig loszulassen. Von Vorstellungen und Plänen. Mir fiel das lange sehr schwer. Denn in meinem Kopf ist immer schon alles irgendwie geplant. Davon abzulassen ist wirklich schwierig. Aber es lohnt sich, denn ich persönlich bin daran gewachsen und in vielen Dingen lockerer und sicherer zugleich. Auch wenn das Ende der Fahnenstange sicherlich noch nicht erreicht ist…

One thought on “Mama sein: vom Planen und Denken

  1. Dein Äußerung ist toll. Wir leben in einem zeitalter, in welchem der werdenen mum tausend ratschläge mitgegeben werden, es gibt unzählige bücher über erziehung, schwangerschaft, drohende gefahren die man vermeiden sollte, es wird einem einfach ständig vorgehalten, man kann erst kinder kriegen, wenn man perfekt ist ( und auch perfekt vorbereitet). Der büchermarkt in dieser spalte floriert tatsächlich!! Ich enpfinde dies als panikmache. Früher hatten die menschen auch viele kinder (und zwar mehr als heute) und sie hatten weniger möglichkeiten zur frauenärztlichen untersuchung als vorher!! Ich habe eine doku gesehen, bei der es darum ging, wie gestresst mums-to-be heutzutage eigentlich sind und je mehr man zu untersuchungen geht, desto unsicherer und sorgenvoller wird man.

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