Meenzer Köppe: Interview mit Daniel Sieben

In Mainz leben über 200.000 Menschen. Das heißt, es gibt über 200.000 Geschichten zu erzählen. Da das meinen kleinen Blog ein bißchen überfordert, werde ich mich einfach langsam vorantasten. Heute möchte ich endlich mit meiner Reihe „Meenzer Köppe“ beginnen. Und wer würde sich dafür besser eignen als Daniel Sieben. Wer ihn nicht kennt, kennt aber ganz sicher mindestens eines seiner vielen Projekte. Was wir teilen, ist die Liebe zu dieser Stadt und die Mission, genau das anderen zu vermitteln. Der perfekte Kandidat also für den Startschuss…

Die meisten kennen Dich als Kopf von LUUPS MAINZ. Wie bist Du dazu gekommen?

Im Jahr 2004 hat ein Freund von mir in Dortmund LUUPS ins Leben gerufen. Ich fand Idee und Konzept gut und hatte Lust darauf, das in den Semesterferien auch in Krefeld, meiner Heimatstadt und an meinem Wohnort in Mainz zu starten. Vorher habe ich bei einer Zeitung gearbeitet und auch an einem Stadtführer mitgewirkt, daher lag mir das Thema grundsätzlich nahe. Außerdem finde ich es spannend, immer wieder neue Orte zu entdecken und diese im Rahmen der Bücher zu präsentieren.

In Mainz waren wir anfangs zu dritt und haben das nebenbei, aber mit viel Herzblut gemacht. Wir hatten viel Spaß daran und dementsprechend sind gute Bücher rausgekommen, die schon immer sehr beliebt waren. Später bin ich dann komplett bei LUUPS eingestiegen und wir hatten die Freiheit, in Mainz etwas herumzuexperimentieren. Meine Wohnung war irgendwann voller LUUPS-Bücherkartons, also kam die Überlegung auf, ein Büro mit Laden aufzumachen. Das haben wir dann in der Neustadt auch gemacht. Die Location hat uns einen Riesenschub gegeben. Viele Leute kamen einfach mal im Laden vorbei und berichteten von eigenen Projekten. Dadurch ist ein richtig gutes Netzwerk entstanden.

LUUPS Mainz Team

v.l.n.r.: Sara, Daniel, Gabriel und Constantin von LUUPS (Foto: LUUPS Mainz)

Neben LUUPS steckst Du mit einigen weiteren Leuten hinter vielen anderen Projekten. Was gehört alles dazu?

Zum einen gibt es natürlich den Kneipenhorst. Die Idee hatten Kris (einer der beiden „Karacho“-DJs aus dem schon schön), Marc und ich, nachdem uns die eine oder andere klassische Eckkneipe bezüglich einer Aufnahme in das LUUPS-Buch ansprach. Wir waren aber der Meinung, dass das thematisch nicht richtig hineinpasst. In einer Bierlaune entstand dann der Kneipenhorst, fiktiver Herausgeber des Heftes, in dem man die eckkneipigsten aller Gaststätten in Mainz findet. Wir waren dafür natürlich in vielen Kneipen unterwegs und sind sehr vielen herzlich netten Wirten und Wirtinnen begegnet. Das hat großen Spaß gemacht… allerdings selten auch am nächsten Morgen! Im vergangenen Jahr ist der Kneipenhorst dann auch in Frankfurt erschienen.

Außerdem organisieren wir „Science Slams“ in Mainz und anderen Städten, das macht hauptsächlich mein Kollege Gabriel. Die Slams werden seit 2011 von LUUPS veranstaltet. Bei Science Slams stellen in erster Linie Doktoranden ihre Themen vor, unterhaltsam und verständlich präsentiert. Bisher waren fast alle Veranstaltungen im Capitol restlos ausverkauft. Damals haben wir einen Moderator gesucht und konnten den Mainzer Comedian Matthias Jung dafür gewinnen.

Aus dieser Zusammenarbeit ergab sich dann im vergangenen Jahr, dass wir „LOL – Die Comedy Show“ ins Leben gerufen haben. Schließlich ist das ja das originäre Geschäft von Matthias. Die Veranstaltung ist eine echte Herzensangelegenheit für uns! Nur wenn die Bude brechend voll ist, verdienen wir auch ein paar Euro. Aber der Spaßfaktor ist hier natürlich überragend.

Neben all diesen Projekten, die wir wohl immer ganz ordentlich auf die Beine gestellt haben, häuften sich irgendwann Anfragen von LUUPS-Partnern und anderen Unternehmen zu Online-Kommunikation, Beratung und Events. Daher haben wir Mitte 2012 unsere Agentur „In allen Gassen“ gegründet.

Das letzte Großprojekt war die Eröffnung des „Schrebergarten“ am Gartenfeldplatz. Hier haben wir am Konzept mitgearbeitet und ein relativ unbekanntes Gericht, Kumpir, in der Stadt etablieren können. Der Laden ist sowieso ein tolles Beispiel für die Vernetzung von Kreativen in der Mainzer Neustadt. Vom Marketing über das Design (LESS Studio), die Shirts (päfjes) und die Einrichtung (Katharina Bahne)… überall hatten Neustädter ihre Hände im Spiel.

Woher kommt Deine Liebe zu Mainz?

Ich bin 2002 fürs Studium aus Krefeld nach Mainz gezogen. Am Anfang mochte ich die Stadt ehrlich gesagt gar nicht so sehr. Erst als ich angefangen habe, in der „Bunten Liga“ Fußball zu spielen, habe ich die richtigen Leute kennengelernt und mich heimischer gefühlt. So richtig ist die Liebe aber erst durch LUUPS entstanden. Ich habe schöne Orte gesucht und gefunden und dadurch entdeckt, wie schön die Stadt ist. Deshalb soll LUUPS auch eine Art Gebrauchsanweisung sein, die dir zeigt, wie liebenswert deine Stadt ist. Das funktioniert übrigens nicht nur in Mainz!

Was fehlt in Mainz? Was macht Mainz besonders?

Mir fehlt eine Kiosk-Kultur, so etwa wie in Köln. Kioske machen hier immer so früh zu… manchmal früher als die Supermärkte!? Außerdem fehlen mir „echte“ Pommes-Buden mit guter Currywurst. Auf dem Gebiet habe ich noch nichts gutes entdeckt. Besonders macht es die Herzlichkeit der Menschen und ihr Drang, rauszugehen und Geselligkeit zu genießen. Das passt mir wirklich gut. Außerdem gibt es immer wieder neue Weinfeste, egal wie viele schon existieren. Da sind die Mainzer unermüdlich.

Hast Du einen Lieblingsort in Mainz?

Da kann ich mich nicht entscheiden und ich möchte mich nicht auf einen festlegen, das ist situationsbedingt. Meine Lieblingsorte finden sich eigentlich im LUUPS-Buch.

Ihr seid momentan dabei, mit dem LUUPS Shop in die Leibnizstraße 22 umzuzuiehen. Wieso?

Wir brauchten einen größeren Spielplatz! Neben besseren Arbeitsbedingungen im Büro soll es im Shop eine größere und schönere Angebotspalette geben, mit Geschenken und anderen schönen Dingen für Männer und Frauen. Es wird zum Beispiel bald eine Reihe lokaler Getränke geben, in dem Bereich hat sich einiges getan.

Vielen Dank, Daniel, für die Zeit und das Interview. Beim nächsten Mal kannst Du dann noch verraten, wie Du es schaffst, dass Dein Tag offensichtlich mehr als 24 Stunden hat!

5 thoughts on “Meenzer Köppe: Interview mit Daniel Sieben

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