Suchtfaktor Brandenburg

Ich glaube, man könnte sagen, dass der Urlaub etwas chaotisch begonnen hat. Wir sind ja eher die Spontanplaner. Ein Jahr im voraus, all inclusive, das gibt es bei uns nicht. Berufsbedingt wissen wir meist erst so acht Wochen vorher wie lange es weggeht und in der Folge dann auch erst wohin. Drei Wochen vorher geht es in die Feinplanung, gepackt wird am Abend vor der Abreise – oder der Mann des Hauses auch gerne erst am Morgen.

Diesmal sollten wir eigentlich eine Woche vor Abreise unser neues großes Auto bekommen. Es hätte ja schon klar sein sollen, dass das nicht klappt. Aber man klammert ja naiv an Hoffnungen. Nachdem es auch die Tage vor dem Urlaub wohl nicht kommen sollte, mieteten wir also einen Wagen. Weil viel Gepäck. Und dann war es doch da. Plötzlich. Mietwagen storniert und um neun Uhr morgens vor der Abreise noch schnell zum Autohändler, das Auto holen. Nachdem also alles eingepackt ist, rein ins Auto und los. Bei Frankfurt dann die Erkenntnis: wir haben die Klamotten für die Hochzeit an dem ersten Urlaubswochenende vergessen!!! Also alles wieder zurück und nochmal los. Ca. 2-3 Stunden später die Erkenntnis: wir haben unsere Schlafsäcke vergessen!!! Aaaaaaahhhhh!!!!

Aber zum eigentlich Thema: Brandenburg! Erzählt man, dass man 2 Wochen nach Brandenburg in den Urlaub fährt, gibt es die Kenner, die aus dem Häuschen geraten. Und es gibt die, die ein höfliches „ach wie schön“ rauspressen. Doch ich kann euch nur sagen: Brandenburg ist wirklich wunderwunderwunderschön! Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, weshalb ich das Bundesland so mag.

Brandenburg Havelland

Zum einen ist es die unglaubliche Weite. Brandenburg hat rund 2,5 Millionen Einwohner. Vergleicht man mal die Bevölkerungsdichte (lt. Wikipedia), so liegt diese bei 83 Einwohnern pro Quadratkilometer, während sie in Rheinland-Pfalz bei 201 und in Hessen bei 286 Einwohnern liegt! Ansonsten findet ihr unglaublich viel Natur. Allem voran natürlich die unzähligen Seen. Während man im Rhein-Main-Gebiet nur vereinzelt Seen vorfindet, die zudem schön kommerzialisiert sind, wie ein Schwimmbad, so fndet ihr in Brandenburg an jeder Ecke verlassene Seen. Wir campten beispielsweise an einem See und machten einen kleinen Waldspaziergang. 500 Meter weiter, war der nächste See und 2km weiter schon wieder der nächste. Und da war KEIN MENSCH! Wir hüpften ins Wasser und genossen die absolute Ruhe. Keine Welle auf dem Wasser, außer die, die ich selbst produziert habe. Naja, und vielleicht ein Fisch, der nach oben geschnappt hat. Auf dem ersten Bild seht ihr ihn:

Brandenburg_Borberowsee Brandenburg_Ellbogensee_Floß4 Brandenburg_Ellbogensee_Floß3

Außerdem findet ihr viele, viele Quadratkilometer Wald. Und das nicht nur im Spreewald. Meistens findet ihr die Kombination Wald / See vor. Und überall herrscht die absolute Ruhe. Ich stehe ja ziemlich auf diese Stille, doch in unseren Gefilden sucht man diese ECHTE Stille umsonst. Dort findet ihr sie. All das ist die ideale Kombination, um zu campen.

Brandenburg_Pilze Brandenburg_Spreewald_Bulli

Ganz besonders finde ich in diesem Bundesland auch die vielen, vielen tollen wiederhergestellten Schlösser, Herrenhäuser und Höfe. Natürlich gibt es auch viele verlassene und heruntergekommene Orte. Der Wegzug vieler junger Menschen bleibt nicht ohne Spuren. Aber es gibt auch diese andere, nicht übersehbare Seite. Die Seite, wo sich Menschen kümmern und Ideen haben. Sie richten marode Häuser wieder her und machen kleine Paradiese daraus. Oder auch große. Wir haben schon mal in zwei solcher Paradiese nächtigen dürfen. Einige davon findet ihr übrigens hier.

Brandenburg_Schloss Marquardt Brandenburg_Rheinsberg

Und nicht nur die Unterkünfte sind traumhaft, sondern auch die Gespräche mit den Besitzern wahnsinnig interessant. Alle haben eine Geschichte zu erzählen, die einen meistens umhaut, mitreißt oder neidisch werden lässt. Da werden Ideen umgesetzt, Dinge ausprobiert und neue Impulse gesetzt, die ganze Dörfer aus ihrer Lethargie reißen können. Ich finde es wahnsinnig inspirierend, wenn Menschen Dinge wagen und ausprobieren. Ein Künstlerdorf irgendwo in Brandenburg lässt sich beispielsweise nicht einfach so umsetzen. Da müssen Menschen Lust drauf haben und mit anpacken. Oder einen veganen Campingplatz ins Leben zu rufen.

Brandenburg_Teetz_Wunderland Brandenburg_Teetz_Wunderland2

In diesem Bundesland sind noch so viele Dinge möglich, die hier schon ausgelutscht sind. Da ist kein Venture Capital fähiges Konzept nötig. Da wird einfach gemacht und geschaut, weil einfach auch noch viel Platz für Ideen ist.

Ich kann mich hier ganz sicher nicht als der große Brandenburg-Experte aufführen, denn natürlich lebe ich dort nicht und weiß um viele Dinge nicht, wie sie laufen. Aber als wohlwollender Tourist, kann ich nur weitertragen: fahrt hin! Die Natur ist der Knaller, die Menschen mitunter sehr kreativ und inspirierend und die Kultur an jeder (naja fast jeder) Ecke zu finden.

Brandenburg_Schloss Rheinsberg

Wir werden ganz sicher wieder hinfahren. Und das aus voller Überzeugung. Es gibt noch unglaublich viel zu machen und entdecken. Und vor allem, kann ich kaum auf dieses Gefühl der Weite und Freiheit verzichten. Das Gefühl, bei dem man denkt, dass man es nur in diesen großen, fernen Ländern spürt. Aber wir haben ein bißchen was davon tatsächlich auch in Deutschland…und zwar in Brandenburg!

Brandenburg

Und weil ich jetzt mehr von der Natur als der Kultur geschwärmt habe, gibts zum Abschluss noch ne Kleinigkeit von unserem alten Freund Theodor Fontane, der Brandenburg wohl auch ganz nett fand (ja, ich kann ein kleines Germanistenherz nicht leugnen)!

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste ‚ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb ‚ne Birn.«

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. ‚s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu ‚ne Beer?«

So klagten die Kinder. Das war nicht recht –
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn‘ ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet’s wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung‘ übern Kirchhof her,
So flüstert’s im Baume: »Wiste ‚ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew‘ di ‚ne Birn.«

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

2 thoughts on “Suchtfaktor Brandenburg

  1. Ich als gebürtige Brandenburgerin kann deine Begeisterung natürlich hundertprozentig nachvollziehen. Jeden Sommer fehlen sie mir die stillen (!) Seen. Und dann das Blaubeersammeln im Wald. Und das Pilzesammeln. Die Spree.
    Liebe Grüße!
    Jenny

  2. Oh, das klingt wirklich wundervoll. Es gibt so viele schöne Ecken in Deutschland, ich glaube, das vergisst man häufig. Ich bräuchte so so viel Zeit, um so so vieles zu sehen :) (Und Geld usw..)
    Wirklich schöner Bericht mit traumhaften Fotos.

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