Von Märtyrern und Herzchen-Tsunamis

33 Jahre habe ich nichts dazu gesagt. Und auch wenn die Welt vielleicht nicht darauf gewartet hat, was ich dazu zu sagen habe, so muss es doch einfach mal raus. Als Eigen-Therapie sozusagen. Ich finde den Valentinstag doof. Und nicht nur das. Denn das hätte ich schweigend verkraften können. Nein, mir geht dieses unausweichliche Herzchen-Bombardement auf die Nerven!

Außer, dass die penetrante Verbreitung des Valentinstag durch die Blumenindustrie vorangetrieben wurde und es sehr wahrscheinlich ist, dass auch die Amerikanisierung eine nicht unwesentliche Rolle spielt, habe ich mir bislang wenig Gedanken um den geschichtlichen Hintergrund des Tages gemacht. Eine kleine Recherche zum Thema brachte mir näher, dass der 14. Februar offensichtlich/angeblich mit verschiedenen Ereignissen in Zusammenhang gebracht werden kann. Als erstes wird jeweils die Hinrichtung eines Priesters im 3. Jahrhundert an eben diesem Tag genannt. Dieser ging als Märtyrer in die Geschichte ein, weil er Paare traute, die aus unterschiedlichen Gründen eigentlich nicht verheiratet werden sollten. Mit Blumen und Geschenken hatte all das noch nicht viel zu tun. Etwas romantischer mutet dagegen die Geschichte der Göttin Juno an, die als Beschützerin der Ehe galt. Für alle, die es interessiert, könnt ihr hier und hier ein bißchen nachlesen.

Auch wenn mich diese Recherche ein wenig milde gestimmt hat, so behaupte ich mal, dass die Märtyrer und Göttinnen-Verehrung wenig mit den heutigen Feierlichkeiten zu tun hat. Daher meine drei Gründe, warum ich den Valentinstag jedes Jahr schlimmer finde:

Die Liebe

Ich lehne den Tag nicht aus Verbitterung ab. Nein, im Gegenteil. Ich bin seit letztem Jahr sehr glücklich verheiratet und es gibt mehr sonnige als graue Tage. Alles perfekt also. Ich schenke sehr, sehr gerne, aber nicht, wenn ich gefühltermaßen muss. Ich schenke, weil mir mein Herz gerade sagt, dass es der richtige Zeitpunkt ist oder weil ich etwas sehe, was die entsprechende Person wirklich freuen wird. Das kann auch mal auf den 14. Februar fallen, aber die Chance ist halt 1/365. Oder halten Frauen möglicherweise gerne daran fest, weil sie dann wissen, dass es für den sonst vielleicht etwas unromantischen Mann neben Weihnachten, Geburtstag und Jahrestag einen weiteren Geschenke-Aufmerksamkeits-Grund gibt? Bei uns gibt es nur den Geburtstag als Fixpunkt. Alles andere ist variabel und für uns läuft das auch perfekt so. Und was spricht zum Beispiel gegen diese wundervolle Liebeserklärung an einem beliebigen Tag des Jahres, weil es sich gerade so anfühlt (das Ursprungs-Foto findet ihr übrigens hier):

Bild

Die Herzen

Herzchen, ich sehe überall nur noch Herzchen. Es gibt unzählige DIY-Anleitungen zum Stricken, Sticken, Nähen, Kleben oder Backen. Häufig sind die Sachen ja auch schön. Ich kann es nicht leugnen, dass nett gemachte Sachen auch nett anzusehen sind. Davon ausgehend, dass diese Dinge meist von Frauen als Geschenkvorlage verwendet werden, mal eine ganz ehrliche Frage: stehen Männer auf Herzchen-Regen? Macht man das nicht eher für sich, weil man es selbst so süß findet? Ausnahmen bestätigen wahrscheinlich die Regel. Aber wenn ich mal die Männer durchdenke, die ich so kenne…ich weiß nicht…

Der Kommerz

Ich denke, die meisten belassen es bei kleinen symbolhaften Gesten. So soll es meinetwegen auch sein. Schockierend fand ich aber zum Beispiel ein Gespräch mit einem ehemaligen Kollegen. Der war auf einer Dienstreise (!) kurz vorm Valentinstag verzweifelt auf der Suche nach einem Swarovski-Laden. Er brauche unbedingt eine solche Kette für seine Freundin. Auf meinen Hinweis, ob das nicht ein bißchen übertrieben sei für den Valentinstag, meinte er, dass er davon ausgehe, dass seine Freundin das erwarte!!! Aber auch diese ganze Blumenindustrie, die erstmal ihre Preise schön anhebt, weil die Leute blind alles kaufen, weil sie denken, es müsse so sein. Diese Erfahrung durften wir genauso am Muttertag machen. Der fiel nämlich exakt auf den Tag nach unserer Hochzeit. Ergo: wir mussten mehr für die Blumen zahlen, als wenn wir eine Woche später geheiratet hätten. Tja, dumm gelaufen. Also irgendwie muss das doch alles nicht sein…

Dabei will ich es jetzt auch belassen, mein eigenes Herz fühlt sich schon leichter an. Ihr dürft gerne in den Kommentaren eure Meinung zum Valentinstag verfassen…bin da ja offen.

Und um uns am Ende möglicherweise doch noch versöhnlich zu stimmen, bekommt ihr jetzt doch noch ein Herz von mir. Aber nicht weil Valentinstag ist, sondern weil ich mich freue, dass ihr hier mitlest! Danke dafür!

Valentinstag_Herz

4 thoughts on “Von Märtyrern und Herzchen-Tsunamis

  1. Hach, du bist mir gleich noch eine Runde sympathischer…ich stimme deinen Gefühlen zum Valentinstag komplett zu und boykottiere ihn daher auch weitestgehend.
    Hier in den USA ist das Ganze ja nochmal eine Runde krasser… was ich ursprünglich mal für einen blöden Feiertag gehalten habe, wo der Mann/Freund der Frau/Freundin Blumen mitbringt, wird ja hier im Exzess ausgebaut…. es gibt in den Kindergärten und Schulen die Valentinsbastelei und die „secret Valentine’s Day messages“… es werden die Lehrer(innen) beschenkt…. manche beschenken ihre Eltern oder ihre Freunde. Das Ganze nimmt keine Ende.

    Ich muss zwar gestehen, dass ich heute an ein paar liebe Menschen auch einen kleinen Gruss per Email verschickt habe, aber das war es auch. Ich bin auch eher ein Verfechter des Prinzips: beschenke und beteuere deine Liebe/Freundschaft oder was auch immer, wenn dir danach ist… nicht weil heute der 14.2. ist.

    • Ich kann total nachvollziehen, was Du meinst :-) Dass hier in den Kindergärten schon gebastelt wird, hab ich inzwischen sogar auch schon gehört. Nehme mal an, es ist nur eine Frage der Zeit, bis Deutschland mit dem Rest auch nachziehen wird. In Maßen ist ja alles ne schöne Idee…verstehe nur immer nicht, warum gleich alles so ausarten muss. Und so viele dann auch noch mitmachen?!
      Liebe Grüße!

  2. Da hast du recht. Wahre Männer stehen echt nicht auf Herzchenregen. Wahre Männer stehen auf Glittzer-Regen, Einhörner und Regenbögen…

    • Alles klar, zum nächsten Valentinstag werde ich mich bemühen, Dich mit einem Einhorn in Glitzerregen zu beglücken ;-) Wie, ich Ignorant das nicht erkennen konnte!

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